Bye, Britain: Was bedeutet der Brexit für die EU-Wirtschaft?

Bild Brexit: Briten verlassen die EUDie Briten haben abgestimmt und sich gegen den Verbleib in der Europäischen Union (EU) entschieden. Experten sprechen jetzt schon von einem schwarzen Freitag sowohl für Europa als auch für Großbritannien. Doch welche Folgen hat der Brexit langfristig tatsächlich für die Wirtschaft in der EU?

Unverhofft kommt oft: Die Briten stimmen zwar knapp jedoch mehrheitlich für den Austritt Großbritanniens aus der EU. Aktuell sorgt der Brexit für ordentlichen Wirbel auf den globalen Finanzmärkten. Der Deutsche Aktienindex (DAX) startet mit einem Minus von zehn Prozent in den Handel, die Börsen im asiatischen Raum brechen ein, das Pfund rutscht auf ein Rekordtief und auch der Euro geht auf Talfahrt. Der Brexit-Schock sitzt tief! Doch welche Konsequenzen hat der Brexit auf längere Sicht für die europäische Wirtschaft?

Brexit-Auswirkungen auf die Wirtschaft in der EU

Aktienkurse fallen, das Pfund stürzt dramatisch ab, der Euro fällt – die Konsequenzen des Brexit auf die europäische Wirtschaft sind bereits jetzt deutlich zu spüren. Was jedoch der Austritt Großbritanniens aus der EU langfristig bedeutet, kann gar nicht mit Sicherheit gesagt werden. Fest steht sicherlich, dass die EU mit Großbritannien einen einflussreichen Spieler verliert und das nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht. Auch außenpolitisch könnte die Europäische Union an Gewicht einbüßen. Die größte Angst allerdings, die der Brexit derzeit schürt, ist, dass der Austritt der Briten auch andere EU-Länder dazu veranlassen könnte, aus dem Bündnis auszutreten. So wurden etwa bereits Stimmen aus Frankreich und den Niederlanden mit dem Wunsch nach einem EU-Referendum laut. Sollte durch den Brexit tatsächlich nun ein Domino-Effekt losgetreten werden, bedeutet das über kurz oder lang unweigerlich das Ende der EU.
Für viele wiederum könnte der Austritt Großbritanniens von Vorteil sein. Immerhin seien es die Briten, die ständig eine Sonderrolle in der EU beanspruchten. Der Brexit könnte die Gemeinschaft auf Dauer homogener machen sowie die restlichen Staaten enger zusammenrücken lassen, so kürzlich die Einschätzung der Analysten von IHS Global Insight.
Nichtsdestotrotz trifft der Brexit die Europäische Union zu einem überaus ungünstigen Zeitpunkt, da die Gemeinschaft mit Eurokrise, Griechenland-Drama und Flüchtlingskrise ohnehin schon in der eventuell schwierigsten Situation seit ihrem Bestehen steckt.

Was bedeutet der Brexit für die deutsche Wirtschaft?

Laut dem Präsidenten des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, Clemens Fuest, wäre Deutschland abgesehen von Großbritannien womöglich der größte Verlierer des Brexit. Durch den Austritt könnte die Bundesrepublik auf Dauer bis zu drei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung einbüßen. Dies liegt nicht zuletzt an den Wirtschaftsbeziehungen. Immerhin ist das Vereinigte Königreich der drittwichtigste Handelspartner für Deutschland. Deutsche Unternehmen verkaufen jährlich Dienstleistung und Waren im Wert von gut 120 Milliarden Euro an die Briten. Der Brexit könnte dafür sorgen, dass der Handel schwieriger und teurer wird. So bestünde beispielsweise die Gefahr, dass erneut Zölle anfallen, wodurch die Bürokratie zunähme. Auch würden dann die Lkws länger an der Grenze anstehen, was wiederum den Transport und damit die Waren selbst verteuern würde. Besonders stark könnte der Brexit wohl die Automobilbranche in Deutschland treffen, denn das Vereinigte Königreich sei für die Automobilindustrie der größte Exportmarkt, gibt der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Matthias Wissmann, zu bedenken. Recht ähnliche Konsequenzen würden sich ebenfalls für die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie abzeichnen.

Könnte Deutschland auch vom Brexit profitieren?

Auch wenn der Austritt Großbritanniens aus der EU die deutsche Wirtschaft wohl hart treffen wird, dürften einige Sektoren profitieren. Insbesondere könnte etwa der Finanzplatz Frankfurt an Attraktivität gewinnen. Sobald nämlich ausländische Banken in London plötzlich außerhalb der Europäischen Union sitzen und nicht länger vom EU-Pass profitieren, könnten sie ihre Europa-Zentralen in andere Finanzstädte verlagern. Frankfurt wäre dabei sicherlich für viele eine gute Alternative, schließlich ist dort bereits die Europäische Zentralbank (EZB) ansässig. Genauso könnte die Deutsche Bank die etwa 9.000 aktuell in London arbeitenden Händler nach dem Brexit nach Frankfurt holen.

Eventuell würde auch die deutsche Immobilienbranche vom Brexit profitieren, wenn nämlich Wohnungen und Häuser in London als Geldanlage nicht länger attraktiv sind und Anleger in deutschen Großstädten investieren.

Was der Brexit für die Wirtschaft in der EU und in Deutschland bedeutet, darüber kann zum jetzigen Zeitpunkt nur spekuliert werden. Darüber hinaus dauert es mindestens zwei Jahre, bis Großbritannien tatsächlich die EU verlässt. Bis dahin kann sich noch einiges ändern.

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