Deflation: Weshalb niedrige Preise gefährlich sein können

(foto) Deflation: Mehr Geld für den VerbraucherDiesel und Benzin sind noch immer günstig und auch für Nahrungsmittel müssen Verbraucher derzeit weniger bezahlen. Warum soll eine Deflation also gleich noch schlecht sein?

Bereits Ende des vergangenen Jahres war vereinzelt die Rede davon, dass der Wirtschaft die Deflation drohen könnte. So unbegründet war die Sorge in der Tat nicht, denn im Januar 2015 betrug die Inflation minus 0,4 Prozent – zur Erinnerung: Die EZB strebt eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Verbraucher freuten sich über diesen Trend, denn die Preise im Supermarkt und an der Zapfsäule fielen merklich ab. Doch eine derart niedrige Inflation birgt auch potentielle Gefahren.

Deflation: Warum fallen aktuell die Preise?

Die sinkende Inflation und der deutliche Trend zur Deflation macht sich beim Verbraucher sehr stark bemerkbar. So kosteten Kraftstoffe zu Beginn des Jahres 2015 im Durchschnitt 15,4 Prozent weniger als noch im Vorjahresmonat. Ähnlich verhielt es sich mit Nahrungsmitteln, für die Konsumenten im Januar etwa 1,3 Prozent weniger Geld ausgeben mussten.
Als Hauptursache für die Tendenz zur Deflation ist der sinkende Ölpreis zu sehen. Dieser ist nämlich im Vergleich zum Vorjahr um satte 19,2 Prozentpunkte gefallen. Eine direkte Folge daraus waren sinkende Heizöl- und Benzinpreise, die dem Verbraucher enorme Ersparnisse einbrachten. Doch der Ölpreisverfall machte sich auch indirekt in anderen Bereichen bemerkbar. So sorgte er dafür, dass der Lebensmitteltransport günstiger wurde, was sich sogleich auch auf die Preise für Nahrungsmittel selbst auswirkte.

EZB mit Maßnahmen gegen die Deflation

Die deutschen Verbraucher können sich natürlich über eine niedrige Inflation nicht beschweren, aber dennoch ist eine sich andeutende Deflation der Europäischen Zentralbank (EZB) ein Dorn im Auge. Aus diesem Grund hatte sie bereits mit zahlreichen geldpolitischen Maßnahmen – allen voran die sukzessive Senkung des Leitzinses – versucht, einer Deflation in der Euro-Zone entgegenzuwirken. Bis jetzt wurden diese Aktionen jedoch noch nicht mit Erfolg gekrönt, weshalb die EZB im Januar 2015 ein neues Kaufprogramm ankündigte. Ziel dieses Programms ist es demnach, Staatsanleihen aus dem Euro-Raum zu erwerben, wodurch die Märkte in Europa angekurbelt werden sollen und einer Deflation vorgebeugt werden soll.

Doch warum sieht sich die EZB in Zeiten einer niedrigen Inflation derart unter Zugzwang? Die Antwort scheint recht einfach: Eine richtige Deflation kann immense Langzeitfolgen mit sich bringen. So besteht die potentielle Gefahr, dass sich die Verbraucher an geringe Preise gewöhnen und folglich die Kaufbereitschaft sinkt, weil sie erwarten, dass die Preise noch weiter abfallen könnten. Somit sinkt die Nachfrage und die Unternehmen müssen mit weiteren Preissenkungen reagieren – ein Teufelskreis beginnt. Sobald dieser Mechanismus ausgelöst wird, droht eine sogenannte Deflationsspirale, welche in einer erneuten Wirtschaftskrise münden könnte.

Noch spricht nichts für eine Deflation

Generell ist erst von einer Deflation die Rede, wenn eine sinkende gesamtwirtschaftliche Nachfrage die Inflation in den negativen Bereich treibt, wie der Chefökonom vom Finanzhaus Natixis Patrick Artus erläutert. Der derzeitige Rückgang der Inflation wurde jedoch durch die fallenden Rohstoffpreise herbeigeführt, so der Experte weiter. Somit sei diese keine Deflation im klassischen Sinn. Denn von einer solchen lässt sich hierzulande noch nichts verspüren. Im Gegenteil: Die Kauflaune der Verbraucher wächst derzeit sogar und Einzelhändler erwarten auch in diesem Jahr einen wiederholten Umsatzwachstum.

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