Der keltische Tiger ist geschwächt

Irland – ein Land voller Gegensätze. Weniger mit seinen flachen Ebenen im Inland als viel mehr mit seiner hohen Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung macht das kleine Land westlich von England derzeit auf sich aufmerksam. In der internationalen Presse- und Finanzwelt gehört es zu den sogenannten PIIGS-Staaten (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien) und damit zu den finanziellen Sorgenkindern des europäischen Wirtschafts- und Währungsraumes. Irlands Probleme sind neben der hohen Arbeitslosigkeit und dem geringen Wachstum vor allem im maroden Bankensystem zu finden. Jüngst wurden immer mehr Kredite aufgenommen um die angeschlagenen Institute zu stützen. Dies lies die Risikoaufschläge auf irische Staatsanleihen steigen, was automatisch die Kredite verteuerte. Für Irland wird es so immer schwerer sich auf den Kapitalmärkten neues Geld zu beschaffen.

Dieser Umstand lässt in europäischen Redaktionen und Vorstandsetagen von Finanzhäusern die Angst umgehen. Denn auch deutsche Banken haben viel Geld in Irland investiert, nicht zuletzt wegen der laxen Regulierungsmaßnahmen betreffend des Finanzmarktes. Irland könnte, so die berechtigte Befürchtung, sich zum zweiten Griechenland entwickeln und bei einem Bankrott, ähnlich eines Dominosteins, andere angeschlagene Länder wie Portugal oder Spanien mit in den Abgrund stürzen. Deswegen werden die Stimmen, die nach einer Inanspruchnahme des 750 Milliarden Euro schweren Rettungsschirmes rufen, immer lauter. Nur sind diese Stimmen nicht irischen Ursprungs, denn das Land versucht diesen Schritt zu vermeiden, da diese Finanzhilfen mit radikalen Sparzwängen und auch einer gewissen Schmach verbunden sind.

Irland gegen den Rest

Als sich am Dienstag die europäischen Finanzminister in Brüssel trafen, war Irland das Hauptthema der Runde. „Wir sollten besser als im Fall Griechenland und vor allem schneller reagieren“, so die Worte des österreichischen Finanzminister Josef Pröll: „Zu lange warten wird zu teuer“. Diesem Tenor schlossen sich die meisten seiner Kollegen an. Nur Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wiegelte ab und wollte die Gerüchte um ein deutsches Drängen der Inanspruchnahme des Rettungsschirms nicht bestätigen: „Jede Regierung weiß, wie die Lage ist. Irland kann das besser beurteilen als die deutsche Bundesregierung“, wie ihn die dpa zitiert.

Irland selbst hat jedenfalls nicht die Absicht seine Banken mithilfe des europäischen Rettungsschirmes zu unterstützen. „Irland hat keinen Antrag auf fremde Hilfe gestellt“, erklärte sein Premier Brian Cowen in Dublin. Jedoch lassen sich die augenscheinliche Probleme nicht vom Tisch wischen, das weiß auch Cowen: „Es ist im Interesse aller, dass wir eine glaubwürdige, wirksame und machbare Lösung finden, die die Märkte beruhigt und Vertrauen und Stabilität wiederherstellt. Dazu steht Dublin in anhaltenden offiziellen Kontakten mit unseren internationalen Partnern.“ Er sähe auch schon Zeichen der wirtschaftlichen Erholung.

Vorerst werde kein Geld aus dem Rettungsschirm in Anspruch genommen

Das Land scheint vorerst andere Instrumente nutzen zu wollen. So kündigte der Patrick Honohan, der Chef der irischen Zentralbank, heute in Frankfurt an, Kredite von der Europäischen Union (EU) und dem Internationalen Währungsfond (IWF) annehmen zu wollen. Nach seinen Angaben haben diese Gelder in Höhe von mehreren zehn Milliarden Euro lediglich eine „Pufferfunktion“, da das Kapital wahrscheinlich überhaupt nicht benötigt werde. Es solle den irischen Banken lediglich das nötige Selbstbewusstsein geben.

Die Experten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) scheinen die Angst um den Sturz des „keltischen Tigers“ eher nüchterner zu betrachten. Für sie scheint das schlimmste schon vorüber zu sein, auch wenn die irische Binnennachfrage immer noch schwach und die Arbeitslosigkeit hoch ist. Trotz allem rechnen sie 2011 mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent und 2012 mit 2,5 Prozent. Sollte der Vierjahresplan der Regierung, mit dem zusätzlich 15 Milliarden Euro eingespart werden sollen, greifen, dann stehen die Chancen zu einer Beruhigung der Finanzmärkte hoch.

Das könnte Sie noch interessieren:

Tags: ,

Unsere Autoren

Kommentar schreiben

Service Line

  • Wir beraten Sie gerne persönlich
  • 0800 - 589 589 0