Deutsche werden immer reicher: Alles Lüge oder was?

(foto) Bei den reichen Deutschen flattern die ScheineDie Bundesbank verkündet eine frohe Botschaft: Das Geldvermögen der deutschen Bundesbürger liegt bei einem neuen Rekordwert von insgesamt 5.212 Milliarden Euro. Schlussfolgerung: Die Deutschen werden immer reicher. Komisch nur, dass die meisten Verbraucher das nicht bestätigen.

Das Privatvermögen ist im Vergleich zu 2010 laut Bundesbank um mehr als 21 Prozent gewachsen. Demnach sind die Deutschen in den letzten fünf Jahren um ein Fünftel reicher geworden. So jedenfalls stellen es viele Zeitungen derzeit dar. Zahlreiche Zeitungen haben über die schiere Vermögensexplosion in Deutschland berichtet und die positiven Tendenzen genauestens analysiert. Einige Leser jedoch reagieren wütend auf die entsprechenden Artikel – aus einem guten Grund.

Was sagen die Deutschen zu ihrem Reichtum?

Unter den Lesern der BILD finden sich beispielsweise ironische Stimmen, wie: „Gut, dass solche Statistiken aufzeigen, wie reich wir doch alle sind… Ohne die, könnt ich das nicht glauben, wenn ich mir meine Kontoauszüge betrachte.“ Noch schärfere Kommentare bezeichnen die Statistik als „Volksverdummung“, „Gehirnwäsche“, „verdreht“ sowie die Zeitung als „weltfremde Medien“. In diesem Strom der Resonanz stellen recht viele Kommentatoren provokativ die Frage, wo denn der benannte Reichtum sei und wo sie ihn abholen könnten. Was die Kommentare sehr eindeutig zeigen, ist die Tatsache, dass der Großteil der Bevölkerung vom rasant wachsenden Geldvermögen überhaupt nichts mitbekommt. Jeder der Kritiker unterstellt, die Statistik sei schlichtweg unglaubwürdig.

Reiche sind noch reicher geworden

Natürlich ist die Statistik der Bundesbank ist nicht falsch, allerdings fehlt ihr zur Realität eine winzig kleine Information. So erfasst die Vermögensstudie der Bundesbank lediglich, wie viel Vermögen die deutschen Bundesbürger zusammen besitzen – nicht aber, wer es denn besitzt. Über die Verteilung wird kein Wort verloren. So kann das deutsche Privatvermögen auch noch so ansteigen; ist es immer ungleichmäßiger verteilt, geht es Deutschland keinesfalls besser. – Das dürfte das eigentliche Problem sein, das vielen Lesern in Kontext der vermeintlich positiven Statistik aufstößt.

Verteilung von Vermögen ist weltweites Problem

Ein Vergleich: Die zehn reichsten Deutschen besaßen im März 2012 ein Gesamtvermögen von 126,4 US-Dollar. Im März 2015 lag das Gesamtvermögen bereits bei 172,6 US-Dollar (Quelle: Forbes). Das entspricht einem Vermögenszuwachs von 36,6 Prozent für allerdings nicht mehr als zehn Deutsche. Im Gegensatz dazu ist die Armutsquote in Deutschland, die von den Statistischen Ämter des Bundes und den Ländern berechnet wird, seit 2012 um 15,5 Prozent gestiegen. 15,5 Prozent sind zwar weniger als 36,6 Prozent, doch diese Armutsquote betrifft die gesamte Republik. 2015 leben 12,5 Millionen Deutsche unter der Armutsschwelle. Die Armut in Deutschland war noch nie so hoch und gleiches gilt für die Zerrissenheit bezüglich der Vermögensverteilung.
Auch andere Quellen belegen, dass Vermögen in Deutschland immer ungleicher verteilt ist. Laut der OECD vereinen die reichsten zehn Prozent der Deutschen satte 60 Prozent des gesamten Geldvermögens auf sich. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt auf ein noch ernüchternderes Ergebnis: Die reichsten zehn Prozent besitzen laut DIW 74 Prozent des Gesamtvermögens.

Statistik forciert Hohn und Spott

Wenn also die aktuell weit verbreitete Statistik der Bundesbank vor diesem Hintergrund als „optimistisches Signal“ gedeutet wird, ist dies nichts als Hohn und Spott für den Großteil der deutschen Bundesbürger. Es ist, wie ein anderer wütender Leser schreibt, als ob er sich mit einem Freund ein Hähnchen bestelle und dieses allein esse: „Dann ist einer weiterhin hungrig, aber statistisch hat jeder ein halbes Hähnchen gegessen und alle sind satt.“ Wir von GELD.de hoffen, dass die Statistik der Bundesbank nicht zum weiteren Leidwesen der Verbraucher fehlinterpretiert wird.

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