Helikoptergeld: Macht die EZB jetzt Geschenke?

HelikoptergeldGeldgeschenke von der EZB gratis und ohne Gegenleistung? Die europäischen Bürger würde dies sicher freuen. Finanzexperten halten das sogenannte Helikoptergeld indes für gefährlich. Doch welche Konsequenzen hätten die kostenlosen Finanzspritzen wirklich?

Die Europäische Zentralbank (EZB) sucht immer wieder nach neuen Mitteln, um die Inflationsrate erneut auf das angestrebte Niveau heraufzusetzen. So pumpte die EZB in der Vergangenheit Milliarden in das Finanzsystem und läutete erst kürzlich eine Leitzins-Nullrunde für Sparer ein – dennoch zeigen diese Maßnahmen kaum Wirkung. Nun steht das Helikoptergeld zur Debatte, das nicht überall Euphorie hervorruft.

Geldpolitik: Was bedeutet eigentlich Helikoptergeld?

Als Helikoptergeld werden gezielte Finanzspritzen an Verbraucher und Unternehmen verstanden, die unmittelbar von der Zentralbank ausgehen und somit den normalen Banksektor umgehen. Ursprünglich war dieses Konzept ein Gedankenexperiment des Monetaristen Milton Friedman, der sich fragte, was wohl passieren würde, wenn die Zentralbanken das von ihnen frisch gedruckte Geld aus einem Helikopter auf die Bürger herabregnen ließe. Jahrelang galt diese Idee als extreme Maßnahme und gefährliches geldpolitisches Tabu. Doch die Tatsache, dass das Helikoptergeld derzeit Mittelpunkt hitziger Diskussionen ist, zeigt, dass es zunehmend enttabuisiert wird. Natürlich denkt heute niemand mehr an einen Abwurf von Geld aus einem Helikopter, dennoch könnte die EZB etwa jedem europäischen Bürger einen bestimmten Betrag pauschal auf das Girokonto überweisen. Denkbar wären außerdem Konsumgutscheine oder auch Steuergutschriften, die vom Staat verteilt werden. Mittel und Wege, um das Geld an die Bürger zu bringen, gäbe es sicherlich genug.

EZB-Maßnahme mit einfacher Rechnung: Mehr Geld, mehr Konsum

Die Bilanz der letzten Jahre zeigt: Die von der EZB ins Finanzsystem gepumpten Milliarden kommen in der Realwirtschaft kaum an. Deshalb raten einige Experten, frisch gedrucktes Geld einfach direkt an die Verbraucher zu verteilen und das völlig gratis und ohne Gegenleistung. Dem Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Mathias Binswanger zufolge können Finanzspritzen von der EZB durchaus einen Einfluss ausüben. Denn Geld, das die Bürger kurzfristig wie eine Art Lottogewinn bekommen, geben sie in der Regel schneller wieder aus als Geld, das sie sich hart erarbeitet haben, so Binswanger. Folglich würden die Verbraucher das zusätzliche Geld ausgeben, wodurch die steigende Nachfrage gewissermaßen als Konjunkturprogramm das Wachstum in der Eurozone ankurbeln würde. So lautet zumindest die Argumentation der Helikoptergeld-Verfechter.

EZB-Geldpolitik: Das Helikoptergeld birgt viele Gefahren

Otmar Issing, ehemaliger Chefvolkswirt der EZB, hält Geldgeschenke der Notenbank für besorgniserregend und gar verheerend. Denn er ist sich sicher, dass eine Notenbank, die Geld an die Bürger verschenkt, die Kontrolle über die Banknotenpresse kaum mehr wiedererlangen kann. Auch Binswanger stellt den längerfristigen Effekt des Geldregens in Frage. Vielmehr glaubt er, dass das Helikoptergeld vor allem erst zur Inflation führen würde, da es in der Wirtschaft keine Auswirkung auf die Ausweitung der produktiven Kapazität hätte.
Darüber hinaus ist das Helikoptergeld eine Maßnahme, die in Zeiten extremer Deflation durchaus in Betracht zu ziehen ist. Allerdings kann von einer Deflation derzeit nicht die Rede sein.

An dieser Debatte ist jedoch interessant zu beobachten, wie schnell eine eventuell etwas unüberlegte Antwort des EZB-Chef eine riesige Lawine lostreten kann. Denn eigentlich antwortete Draghi auf einer Pressekonferenz auf die Frage, was er denn von Helikoptergeld halte, lediglich, dass es ein „interessantes Konzept“ sei.

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