Mindestlohn reicht nicht zum Leben

Bild Mindestlohn zu niedrigDer Mindestlohn scheidet die Geister. Kaum zu Beginn 2015 eingeführt, ist heute klar, dass er in vielen Städten kaum noch zum Leben reicht. Während die einen eine Erhöhung fordern, bringen andere wichtige Gegenargumente.

Amtlich belegt ist es nun, dass die 8,50 Euro Mindestlohn pro Stunde in westdeutschen Städten schlicht nicht zum Leben reichen, auch wenn man Vollzeit arbeiten geht. So hat es zumindest die Bundesregierung als Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag berechnet.

Lücke zwischen Lohn und Existenzbedarf

Und so geht die Rechnung: Einer alleinstehenden Person, die wöchentlich 37,7 Stunden für den Mindestlohn arbeiten geht, bleiben von den 1388,62 Euro brutto nur noch 1040,27 Euro netto übrig. Der durchschnittliche Existenzbedarf für einen erwachsenen Erwerbstätigen liegt jedoch bei 1053 Euro und damit rund 13 Euro über dem Grenzwert. Der Existenzbedarf berechnet sich aus verschiedenen Faktoren – dem Hartz-IV-Regelsatz in Höhe von 404 Euro, dem Erwerbstätigenfreibetrag in Höhe von 300 Euro und den durchschnittlichen Kosten für eine Unterkunft für 349 Euro. Je nachdem wie hoch die Mieten in einer Stadt oder Gemeine sind, steigt oder sinkt auch der Mietzuschuss. Kostet der Mietpreis einer Wohnung besonders viel, so etwa in Hamburg oder München, wird die Lücke noch größer. Wer in der bayrischen Landeshauptstadt den Mindestlohn verdient hat ganz 156 Euro zu wenig in der Tasche. In Düsseldorf ergibt sich eine Lücke zwischen Lohn und Existenzbedarf von 46 Euro. Da stellt sich bei vielen doch die berechtigte Frage, weshalb sie für einen Stundenlohn für 8,50 Euro arbeiten gehen sollen, wenn dieser doch nicht zum leben reicht.

Mehr Mindestlohn für alle?

Für einige Politiker der Linksfraktion ergibt sich aus der Berechnung nur die Antwort, der Mindestlohn müsse erhöht werden. Die Diskussion ist nicht neu, es zeigt sich jedoch gerade im internationalen Vergleich, auch wenn man etwa den Big-Mac-Index betrachtet, dass sich Erwerbstätige in Deutschland vom Mindestlohn zumindest in Sachen Lebensmittel mehr leisten können, als viele andere Menschen. Bei der Miete sieht das schon anders aus, eine Erhöhung des Stundenlohns wäre allein in diesem Hinblick eine große Erleichterung für Arbeitnehmer aus dem Niedriglohnsektor. So sieht es auch Klaus Ernst, MdB für DIE LINKE, der nicht nur auf die Lohnlücke verweist sondern auch auf die zahlreichen Tricks, mit denen die Arbeitgeber versuchen, sogar den Stundenlohn von 8,50 Euro zu umgehen. Demnach werden Zuschläge mit dem Grundlohn verrechnet, Arbeitszeiten reduziert, um dann in Folge unbezahlte Überstunden anzuordnen, oder reguläre Arbeitsverhältnisse in Praktika umgewandelt.

Weniger Sozialabgaben für Geringverdiener?

Der Forderung nach einer Mindestlohn-Erhöhung stehen nicht nur die Arbeitgeber kritisch gegenüber. Auch der Ökonom Marcel Fratzscher, seines Zeichens Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, widerspricht der Aussage, dass der Mindestlohn angehoben werden müsse. Besser sollten die Sozialabgaben für Menschen mit geringem Einkommen gesenkt werden, um es für Unternehmer attraktiver zu machen, neue Arbeitnehmer einzustellen. Dann würden auch die Einkommen der Geringverdiener wieder steigen.

Das könnte Sie noch interessieren:

Tags: , ,

Unsere Autoren

Kommentar schreiben

Service Line

  • Wir beraten Sie gerne persönlich
  • 0800 - 589 589 0