Nächster EZB-Chef wird nicht aus Deutschland kommen

Bundeskanzerlin Angela Merkel will keinen deutschen Kandidaten für die Bewerbung um den Chefposten der Europäischen Zentralbank (EZB) aufstellen. Medien berichteten am Freitag, dass Merkel den italienischen Notenbankchef Mario Draghi unterstützen wolle.

Wie die Nachrichtenagentur dapd unter Berufung auf die Bild-Zeitung berichtete, solle nach der Absage von Bundesbankpräsident Axel Weber nunmehr „der deutscheste aller verbliebenen Kandidaten“ unterstützt werden. Dies sei eindeutig Draghi.

Merkels Angst vor deutscher Kritik

Nach Informationen des Wall Street Journal sei Merkel zu dem Ergebnis gekommen, dass es keine praktikable Alternative zum italienischen Notenbanker gebe. Da die Bundeskanzlerin aber negative Reaktionen über einen mögliche EZB-Präsidenten aus Italien in den deutschen Medien und im Parlament fürchte, habe sie ihre Position nicht öffentlich gemacht. Jedoch soll, nach den Informationen der amerikanischen Zeitung, eine Stellungnahme bald erfolgen.

Bereits am Dienstag sprach sich Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy offen für die Kandidatur Draghis als EZB-Präsident aus. Auch Spanien und Portugal signalisierten laut dapd Zustimmung. Der jetzige Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, wird im Oktober nach acht Jahren sein Amt verlassen.

Keine Besetzung „ohne deutsche Zustimmung“

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Mittwoch in Berlin, dass das Thema „in Übereinstimmung zwischen Deutschland und Frankreich entschieden“ werde. Die Bundesregierung werde sich „rechtzeitig zu einem möglichen Kandidaten äußern.“

Laut Seibert hätten sich mit Frankreich und Italien „zwei in der Tat wichtige europäische Staaten“ hinter Draghi gestellt. Trotzdem werde es keine Besetzung des Postens „ohne deutsche Zustimmung geben“. Deutschland habe dabei ein „gewichtiges Wort mitzureden“, so der Regierungssprecher.

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