Noch 5.000 Euro: Was bringt eine Bargeld-Obergrenze?

Bargeld ObergrenzeDie Bundesregierung denkt über ein Limit für Zahlungen mit Scheinen und Münzen nach. Die Begründung: Eine Bargeld-Obergrenze sei ein wirksames Mittel im Kampf gegen illegale Aktivitäten. Doch ist das wirklich der Fall? Und was bedeutet die Maßnahme für Verbraucher?

Zwölf europäische Staaten haben sich bereits für Sperren bei Bargeldzahlungen entschieden. In Spanien etwa ist seit 2012 eine Höchstgrenze von 2.500 Euro Gang und Gäbe, sofern ein Unternehmer oder Freiberufler an einer Transaktion beteiligt ist. In Italien gelten 3.000 Euro als Maximum, bis vergangenen Dezember waren es sogar nur tausend Euro. Vor dieser Folie erwägt Deutschland, eine Schranke bei 5.000 Euro einzuführen. Und das, wo das Bezahlen mit Bargeld doch mittelfristig eh abgeschafft werden soll.

Warum soll eine Bargeld-Obergrenze eingeführt werden?

Nach Ansicht der Bundesregierung ließen sich durch den Vorstoß verbrecherische Machenschaften besser verhindern sowie Finanzkrisen besser lösen. Denn es seien in erster Linie Kriminelle, die von Bargeld profitieren. Mit einer Obergrenze könnten Drogengeschäfte, Steuerhinterziehung und Geldwäsche leichter überwacht werden. Vor allem Letzteres spielt im internationalen Terrorismus eine wichtige Rolle.

Was spricht sonst noch gegen Bargeld?

Die Herstellung von Scheinen und Münzen ist sehr kostenaufwendig. Allein 2014 musste die Bundesbank fast hundert Millionen Euro für den Druck von Geldscheinen aufwenden; finanziert wird das vom Steuerzahler. Außerdem erachten viele Menschen Bargeld als unpraktisch, weil es viel einfacher sei, mit Giro- und Kreditkarte zu bezahlen. Diesbezüglich stellen Dänemark und Schweden gerne die Paradebeispiele dar, wo nur noch jeder vierte Einkauf in bar abgewickelt wird. Schließlich sehen Wirtschaftsexperten eine Relation zwischen Bargeld und der Verstärkung von Finanzkrisen. Denn in schlechten Zeiten würden Bürger und Betriebe ihr Vermögen nicht auf der Bank belassen, sondern zu Hause horten.

Hilft eine Bargeld-Deckelung gegen Kriminalität?

Professor Friedrich Schneider von der Universität Linz ist sich sicher: Die Restriktion bringt „fast gar nichts“. Im Falle einer 5.000-Euro-Schranke kann Schwarzarbeit seiner Meinung nach lediglich um ein Prozent reduziert werden, bei einer gänzlichen Abschaffung von Bargeld höchsten um zwei bis drei Prozent. Der Deutsche Richterbund erklärt, dass Geldwäsche auf diese Weise keineswegs verhindern wird, sondern sich nur auf den elektronischen Zahlungsverkehr verlagere.

Was bedeutet die Bargeld-Obergrenze für mich?

Ein Ende von Schein und Münze ermöglicht eine absolute Kontrolle der Bevölkerung, warnen Verbraucherschützer. Wer kauft wann, was, zu welchem Preis und wo – all das sei mit einer Höchstgrenze leicht zu erfassen. Gerade im Hinblick auf die wachsende Bedeutung von Big Data diene anonymes Einkaufen mithin als wichtiges Mittel für den Datenschutz. Dass im Übrigen auch bargeldlose Zahlungswege ihre Risiken bergen, zeigen die regelmäßigen Meldungen über Kreditkartenbetrug, Skimming und Co.

Können wir denn überhaupt ohne Bargeld?

Wie die Bundesbank errechnet hat, erfolgen hierzulande noch immer rund 80 Prozent aller Transaktionen über Bargeld. Etwas mehr als die Hälfte der Umsätze im Einzelhandel kommt bar zustande. Dass Schein und Münze in naher Zukunft verschwinden werden, scheint schon vor diesem Hintergrund mehr als unwahrscheinlich.

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