Ratings ohne Auftrag

Standard & Poor’s hat als erste Rating-Agentur angekündigt die Bonitätsnoten nicht mehr in Folge von Aufforderungen zu vergeben. Damit beugt sich der Branchenriese dem starken öffentlichen Druck.

Schon seit längerem stehen die Rating-Agenturen in der Kritik, ihre Bewertungen über bezahlte Aufträge zu vergeben. Dies soll sich bei S&P nun ändern, wie das Handelsblatt gestern berichtete. Das liege auch an dem Druck der Aufsichtsbehörden, wie ihr Deutschlandchef Torsten Hinrichs im Interview mit dem Blatt einräumte.

Gekaufte Bestnoten

„Wir betrachten das Thema unbeauftragte Ratings anders als in der Vergangenheit“, erklärte Hinrichs. Mit diesem Schritt reagiert die Bewertungsgesellschaft auf das oft kritisierte Problem des „Rating-Shoppings“, wo Ratingaufträge vornehmlich an die Anbieter vergeben werden, die die eigenen Produkte am besten beurteilen. Die Folge: viele komplexe Wertpapiere erhalten viel zu gute Noten.

Das Thema erregt mittlerweile weltweites Aufsehen. So appelierte der Internationale Währungsfonds (IWF) kürzlich an die Aufsichtsbehörden etwas gegen das Problem zu unternehmen. Auch die Europäische Union sucht nach Lösungen. In den USA folgten schon die ersten Gesetzesvorschriften zur Eindämmung des Rating-Shoppings.

Noch kein Königsweg erkennbar

Oft werden etwa Voranalysen in Auftrag gegeben, auf die dann eine Prüfung mit meist günstigem Ausgang folgt. Der IWF schlägt dahingehend zum Beispiel vor, auch die Ergebnisse der vorläufigen Ratings offen zu legen. Die EU-Kommission schlug die Möglichkeit des unbeauftragten Ratings vor. Eine Einigung ist derzeit jedoch noch nicht in Sicht.

Ein denkbar günstiger Zeitpunkt also, sein Image mit eigenen Ideen aufzubessern. „Es ist zu diesem Zeitpunkt daher sicher nicht ungeschickt, da eine Duftmarke zu setzen“, wie ein nicht namentlich genannter Experte gegenüber des Handelsblatts erklärte.

Wirtschaftliche Hindernisse

Ein Hindernis hin zu flächendeckend auftragslosen Ratings liegt jedoch in der Struktur der Rating-Unternehmen, die sich vor allem über Gebühren eben dieser Ratings finanzieren. „Wir können uns diese Art von Ratings natürlich nur in begrenztem Umfang leisten“, wie Hinrichs betonte. Würde der Auftrag wegfallen, könnten sich die Konzerne also auch die Gebühren sparen.

So ist der Vorstoß als Zäsur der eigentlich Geschäftspraxis zu verstehen. Denn bislang wurden kostenlose Bonitätsnoten von den Rating-Agenturen konsequent abgelehnt. Bereits in der letzten Woche wurden von S&P Ratings an die beiden Landesbanken WestLB und NordLB verteilt – ohne offiziellen Vertrag mit S&P.

Daumen über Japan gesenkt

Ein neues Rating wurde auch an Japan vergeben, allerdings nicht zu der Freude des Landes der aufgehenden Sonne. Die Bonität des Staats an der Ostküste des asiatischen Kontinents wurde um eine Note auf „AA-“ herabgesetzt und liegt damit drei Stufen unter der Bestnote „AAA“. Grund hierfür ist die ausufernde Staatsverschuldung Japans, die fast die doppelte Wirtschaftsleistung beträgt.

Auch die Aussichten sehen nicht gerade rosig aus. In ihrer Begründung schrieben die Analysten, dass der Schuldenberg seinen Gipfel wohl erst Mitte der 2020er Jahre erreichen werden. „Unserer Meinung nach fehlt der Regierung eine schlüssige Strategie, die negativen Folgen der Schuldendynamik anzugehen.“ Eine weitere Herabstufung ist damit also alles andere als ausgeschlossen.

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