Schuldenspirale: Wie Inkassobüros Schuldner abzocken

(foto) Brief vom Inkassobüro? So können sich Verbraucher wehrenSobald eine Rechnung nicht pünktlich beglichen wird und die Mahnung ins Haus flattert, müssen Betroffene mit beträchtlichen Kosten rechnen. Der Grund: Inkassobüros zocken Schuldner gnadenlos ab – und das häufig sogar mehrfach. Doch Verbraucher können sich dagegen wehren.

Ein kurzfristig überzogenes Konto, eine noch unbezahlte Rechnung – all das sind Eventualitäten, die schneller eintreten als gedacht. Was der Verbraucher in der Regel als kleine Lappalie bewertet, kann jedoch richtig teuer werden. Denn Inkassobüros nutzen prompt die Gelegenheit, um den säumigen Schuldner abzuzocken – und das auch noch völlig legal.

Inkasso: Das lukrative Geschäft mit den Schulden

Immer mehr Inkasso-Firmen sprießen förmlich aus dem Boden und sorgen dafür, dass säumigen Schuldner ihre Rechnungen bezahlen. Dabei halten sie natürlich ihren eigenen Gewinn nicht zu kurz. So hätten die Inkassounternehmen ihre Gebühren in den letzten zwei Jahren merklich erhöht, wie die Mitarbeiterin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Birgit Höltgen bemerkte. Viele würden jetzt wohl denken, dass diese Inkasso-Praktiken illegal wären, aber tatsächlich werden Inkassobüros durch ein vor zwei Jahren erlassenes Gesetz bestärkt. Dieses war ursprünglich gegen unseriöse Geschäftspraktiken angedacht und besagt, dass Inkasso-Firmen für ihre Leistungen keine höheren Entgelte erheben dürften als Rechtsanwälte. In der Regel beliefen sich diese de facto auf das durchschnittliche Anwaltshonorar von 70 Euro, so Höltgen.
Allerdings ist es Inkassobüros im Gegensatz zu Rechtsanwälten erlaubt, auch andere Posten in Rechnung zu stellen. So entstehen etwa aus Kontoführungsgebühren oder einer „Gebühr für Vernunftappell“ nicht selten Inkasso-Gesamtgebühren, welche die ursprünglichen Schulden vervielfachen.

So funktioniert die zweifache Inkasso-Masche

Als wäre das noch nicht genug, lassen sich die Inkassobüros stetig neue Methoden einfallen. So arbeiten zahlreiche Inkasso-Firmen nämlich mit Anwaltskanzleien zusammen und treiben somit die Kosten für den Schuldner noch weiter in die Höhe. Dabei gehen sie so vor, dass das Inkassounternehmen dem säumigen Verbraucher einen Brief schreibt. Wenn dieser dann nicht innerhalb kurzer Zeit reagiert, greift der Anwalt entsprechend ein und bekräftigt die Forderung. Die Crux: Sowohl die Inkasso-Firma als auch der Anwalt fordern für ihre Leistungen jeweils Gebühren, die die Kosten sprengen.

Inkasso-Maschen: So können sich Verbraucher wehren

Besonders ärgerlich an dieser zweifachen Inkasso-Masche ist, dass sie nicht illegal ist. Birgit Höltgen gibt allerdings zu bedenken, dass sie häufig „rechtlich fragwürdig“ sei. Dies sei insbesondere dann der Fall, wenn dem Schuldner nicht genug Zeit gelassen würde, seine Schulden zu bezahlen. Wenn beispielsweise der zeitliche Abstand zwischen den Schreiben der Inkasso-Firma und des Anwalts zu gering ist, muss der Schuldner für gewöhnlich lediglich eine Gebühr entrichten, so Höltgen. Aus diesem Grund rät die Verbraucherschützerin allen Betroffenen, die erhaltenen Schriftstücke einer Rechtsberatung vorzulegen. Völlig verkehrt wäre es, das Geld anstandslos zu bezahlen.

Die Verbraucherzentralen forderten für die Zukunft ein bundesweites Gesetz, welches das Vorgehen der Inkassobüros verbindlich regelt, wie Höltgen berichtet. Ob sich die Bundesregierung zu einem solch sinnvollen Gesetz hinreißen lässt, bleibt abzuwarten.

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