Deutschland hat größte Soziale Kluft innerhalb der EU

(Bild) Deutschlands VermögenDas Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung die aktuelle Vermögensverteilung in Deutschland ermittelt. Obwohl Beschäftigung und Wachstum in Deutschland robust sind, gibt es der Studie zufolge in keinem anderen EU-Land eine stärkere Ungleichverteilung von Vermögen, als hier. 

Gesamtvermögen von 6,3 Billionen Euro

Nach gängiger Vorstellung ist die Schere zwischen Armut und Reichtum am stärksten in EU-Krisenländern wie Griechenland verbreitet. Doch 2012 war der Gini-Koeffizient, welcher die Vermögensverteilung in einem Land misst, in Deutschland mit einem Wert von 0,78 am höchsten. Die Ungleichverteilung von Vermögen war demzufolge in der Bundesrepublik stärker ausgeprägt als in Italien (0,61), Frankreich (0,68) oder der Slowakei (0,45). Der Studie zufolge verfügten die deutschen Bundesbürger im Jahr 2012 über ein Gesamtvermögen von 6,3 Billionen Euro in Form von Sach- und Geldvermögen. Das sogenannte Medianvermögen, welches exakt mittig auf der Vermögensverteilung liegt, betrug allerdings nur17.000 Euro.

Vermögensverteilung seit Jahren unverändert

Trotz dieser gravierenden Ungleichverteilung sind in den letzten Jahren die Reichen nicht zwangsläufig immer reicher, und die Armen immer ärmer, geworden. In Wirklichkeit verharrt diese Ungleichheit seit einem Jahrzehnt auf dem gleichen Niveau. Zu den reichsten der Reichen zählen der Studie zufolge diejenigen, die einen Besitz von rund 820.000 Euro ihr Eigen nennen. Das trifft vor allem auf Unternehmer zu. Eines der niedrigsten Vermögen haben dagegen Angestellte sowie un- und angelernte Arbeiter. Ihr Vermögen beläuft sich auf gerade einmal durchschnittlich 33.000 Euro. Die Vermögensverteilung richtet sich daher in erster Linie nach dem Beruf. Es gibt aber auch regionale Unterschiede: Im Osten Deutschland liegt das Medianvermögen zwar nur bei 8000 Euro, jedoch steigt dieses seit 2007 deutlich an. Diesen Umstand führen Experten auf die sinkende Arbeitslosigkeit zurück. Dennoch liegt das Medianvermögen im Westen weitaus höher, nämlich bei 21.000 Euro. Auch beim Geschlecht gibt es Unterschiede: Männer hatten der Studie zufolge ein höheres Vermögen vorzuweisen als Frauen.

Altersarmut ist große Gefahr

Besonders betroffen von der Ungleichverteilung sind Arbeitslose. Deren Nettovermögen hat sich in den letzten zwölf Jahren fast halbiert und beträgt aktuell nur noch 8000 Euro im Durchschnitt. Die Studienautoren führen diese Entwicklung auf die Einführung der Hartz-Reformen ab dem Jahr 2003 zurück. Neben Arbeitslosen sind besonders Personen mit keinem Einkommen, oder besonders hohen Schulden, von Altersarmut betroffen. Zu diesen Personengruppen zählen unter zehn Prozent der Erwachsenen in Deutschland. Obwohl die Studie der DIW die bereits seit Jahren bestehenden sozioökonomischen Probleme der Bundesrepublik widerspiegelt, ist anzumerken, dass in der Studie die Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung nicht berücksichtigt wurden. Dies hätte allerdings dazu geführt, dass die Ungleichverteilung für Deutschland im europäischen Vergleich deutlich niedriger ausgefallen wäre.

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