Wirtschaft: Feiertage nachholen ist Blödsinn?

Feiertag nachholenPolitiker aus SPD, Grünen und der Linken haben ins Gespräch gebracht, Feiertage, die auf einen Sonntag fallen, nachzuholen. Während dies ein „Zeichen der Entlastung“ sein soll, verweisen Kritiker auf die enormen Kosten. – Alles Blödsinn?

Der erste Mai, der erste Weihnachtsfeiertag und Neujahr 2017 – alle drei Feiertage fallen auf einen Sonntag. Nur Himmelfahrt ist wieder an einem Donnerstag 😉 … Um Arbeitnehmer zu entlasten und ihnen nicht länger bezahlte Feiertage zu entziehen, wollen Politiker aus SPD, Grünen und Linken solche Feiertage nachholen. Konkret hieße das: Fällt ein variabler Feiertag auf einen Sonntag, hat der Arbeitnehmer am Montag frei. In Ländern wie Belgien, Großbritannien oder Spanien ist das längst Praxis.

Diese Feiertage wären betroffen

Während es 2016 den ersten Mai betraf und den ersten Weihnachtsfeiertag am 25. Dezember noch betreffen wird, stünden generell fünf Feiertage zum Nachholen zur Verfügung: Neujahr, Tag der deutschen Einheit, Heilig Abend (½ Feiertag) und die Weihnachtstage. Bei 365 Tagen im Jahr, sprechen wir also von maximal einem Prozent mehr Frei. Dennoch regt sich in der Wirtschaft und bei den Arbeitgebern bereits großer Widerstand. Noch mehr freie Tage? – Auf keinen Fall!

So teuer ist ein deutscher Feiertag

Das erste Argument, was gegen das Nachholen von Feiertagen ins Feld geführt wird, sind die enormen Kosten. Das Institut der Deutschen Wirtschaft errechnet, das jeder Arbeitstag etwa zehn Milliarden Euro Gewinn bringt. Eine andere Methode nimmt das Bruttosozialprodukt als Ausgangspunkt: 2015 lag es bei 3.025,9 Milliarden Euro. Pro Tag durchschnittlich also eine Wirtschaftsleistung von 8,29 Milliarden Euro. – Doch so teuer ist ein Feiertag in Deutschland nicht. Der Denkfehler: Die Arbeit fällt ja nicht aus. Die meisten Arbeitnehmer holen ihre Aufgaben nach oder arbeiten vor. Arbeitspsychologen sagen sogar, die Mitarbeiter sind vor Feiertagen am effektivsten. Das Wirtschaftsinstitut wendet ein: Selbst wenn ein Großteil der Arbeit nachgeholt wird, büßt man schnell 0,1 Prozent Wirtschaftsleistung ein. – 0,1 Prozent? Das wären laut BSP 2015 nur 3,03 Milliarden. Umgerechnet etwa 37 Euro Arbeitswert pro Bundesdeutschen, die statt in die Wirtschaft, in die Familie und Erholung fließen. Denn eins ist ohnehin Fakt: Geld ist nie weg, sondern nur woanders.

Wer diktiert uns das Wirtschaftswachstum

Der Streitpunkt sollte demnach nicht sein, ob sich Deutschland mehr Frei gönnen kann. Die Frage sollte sein, wo das ständige Wetteifern, Übertrumpfen und Optimieren von Arbeitsleistung und Ergebnissen ein Ende hat? Wer diktiert uns auf, welches Wirtschaftswachstum zu erreichen ist? Warum muss ein Plus, ein immer größeres Plus zur Folge haben? Wenn Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) angibt, die Prognose für 2017 wird aufgrund von zwei Arbeitstagen weniger um 0,2 Prozent nach unten korrigiert; ist dies von einem familiären Standpunkt aus völlig irrelevant, oder? Man sagt ja auch nicht, „Ich muss nahher die Kinder abholen, deshalb kann ich nur 3/4 des Rasen mähen.“ – Was man schafft, das schafft man eben. Aber man muss Prioritäten setzen. Und diese Priorität sollte doch die Lebensqualität aller sein, nicht? Von zusätzlichen Feiertagen wird Deutschland nicht plötzlich zum Entwicklungsland.

Feiertage nachholen: Unsere Sicht der Dinge

Wir von Blog.GELD.de haben folgenden Vorschlag um die Interessen zu vereinen: Wie in anderen EU-Ländern, wird ein Feiertag am Sonntag von einem freien Arbeitstag begleitet. Jedoch nicht zwingend am Werktag darauf, sondern als variabler Urlaubstag für den Arbeitnehmer. Der Urlaubsanspruch variiert damit also von Jahr zu Jahr und setzt sich aus dem fixen Urlaubsanspruch sowie einer jährlichen Kompensation zusammen. Das wäre ein Ausgleich wie er bereits in deutschen Schulen mit variablen Ferientagen praktiziert wird. Diese Lösung kann für mehr Arbeitsplätze sorgen. Arbeitgeber müssen dabei jedoch nicht auf einen Geschäftstag verzichten. Arbeitnehmer haben dennoch die zur Entlastung erhoffte Auszeit und können an den freien Tagen sogar ihre Kaufkraft einsetzen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Kosten für die Urlaubstage würden sich auf das Jahr verteilen. Somit wäre das die „weiche Lösung“. Man könnte diese Lösung zumindest für bestimmte Mitarbeiter in Erwägung ziehen, etwa wenn der Angestellte Mitglied in der Kirche oder einer Gewerkschaft ist. Dann bekommt man auf Nachweis eine Art Sonderurlaub. So wäre auch die eigentliche Bedeutung der Feiertage berücksichtigt. Was auf jeden Fall stärker bei der Diskussion bedacht werden sollte: In einem fortschrittlichen, technisch hoch entwickelten Land mit einer Wirtschaft im Überflug, sollte es ein wichtiges Ziel sein, Errungenschaften dazu einzusetzen, die Lebensqualität zu steigern, nicht den ohnehin bemerkenswerten Gewinn. Setzen wir uns sonst nicht selbst viel zu sehr unter Druck?

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