Altersvorsorge: Wie die Deutschland-Rente Altersarmut bekämpfen soll

AltersarmutEins steht fest: Den jüngeren Generationen steht in puncto Rente eine düstere Zukunft bevor. Riester-Rente, betriebliche Altersvorsorge und Co. können daran wenig ändern. Doch ein neues Konzept ist schon da – die Deutschland-Rente. Ist sie der langersehnte Durchbruch im Kampf gegen Altersarmut?

Angesichts des demografischen Wandels wird der Lebensstandard zahlreicher Rentner künftig erheblich sinken und die viel gefürchtete Altersarmut immens zunehmen. Denn Experten gehen davon aus, dass das Standard-Rentenniveau bis zum Jahr 2030 um satte 20 Prozent geschrumpft sein wird. Weil viele Bundesbürger trotz dieser Aussichten kaum in eine private Altersvorsorge investieren, plädieren drei hessische Minister für eine obligatorische Standardabsicherung – die Deutschland-Rente. Doch wie stellen sie sich diese Form der Rente vor?

Deutschland-Rente: So soll sie funktionieren

Die hessischen Landesminister Stefan Grüttner (CDU), Thomas Schäfer (CDU) sowie Tarek Al-Wazir (Grüne) wollen die Altersvorsorge revolutionieren. Sie schlagen vor, eine sowohl einfache als auch preiswerte Standard-Rente für Jedermann einzuführen. Die Idee dieser Form der Altersvorsorge: Jeder Arbeitnehmer zahlt automatisch einen bestimmten Anteil seines Gehalts in einen zentralen Fonds ein, welcher vom Staat verwaltet wird. Dies läuft allerdings einzig über den Arbeitgeber, der die Beiträge vom Gehalt abzieht und an die Rentenversicherung abführt. Anschließend kommen Fondsmanager ins Spiel, die das Geld am Kapitalmarkt anlegen. Im Gegensatz zu Fondsgesellschaften und Versicherern soll dieser Fonds auf Selbstkostenbasis ohne eigenes Gewinninteresse arbeiten.
Als Vorbild dient den Ministern der norwegische Staatsfonds. Der im Jahr 1997 gegründete Fonds hat mittlerweile eine Durchschnittsrendite von über fünf Prozent erwirtschaftet und ist mit aktuell rund 775 Milliarden Euro der weltweit größte Fonds.

Was soll die Deutschland-Rente verbessern?

Die drei Landesminister sind sich einig: Sowohl die private als auch die betriebliche Altersvorsorge seien vollkommen unterentwickelt und wiesen erhebliche Mängel auf. So legt etwa nur eine kleine Anzahl von Geringverdienern etwas für das Alter zurück – gerade diejenigen also, die es zweifelsohne am nötigsten hätten. Nicht einmal jeder zweite, der Anspruch auf Riester-Rente hätte, nutzt diese Möglichkeit der Altersvorsorge. Und diejenigen, die sie beanspruchen, schöpfen die Steuervorteile und staatlichen Zulagen häufig nicht in vollem Umfang aus. Bei der Betriebsrente sieht es kaum besser aus: Lediglich jeder Vierte sorgt über den Betrieb zusätzlich vor.
Deshalb trommeln die Minister für die verpflichtende Altersvorsorge. Besondere Betonung liegt hierbei auf dem Wörtchen ‘verpflichtend’, denn das ist ein wichtiger Punkt im Konzept der Deutschland-Rente. Das Trio setzt nämlich auf „sanften Zwang“, der sich darin äußert, dass alle Arbeitnehmer die Beiträge automatisch zahlen sollen, sofern sie dem Arbeitgeber gegenüber nicht bewusst widersprechen. Die Hoffnung dabei ist, dass nach Möglichkeit nur wenige Deutsche von der Option des „Nein-Sagens“ Gebrauch machen.

Kritik an der Deutschland-Rente

Die Idee der neuen Rente erntet sowohl Lob als auch Kritik. Insbesondere besteht die Befürchtung, dass der Geldtopf der Deutschland-Rente in Notzeiten herhalten muss. Aus diesem Grund fordern die Minister einen vor politischem Zugriff geschützten Fonds. Am meisten Kritik hagelt es von Seiten der Finanzbranche. Immerhin möchte diese vermeiden, dass ihre Riester-Produkte in Konkurrenz mit der neuen Form der Altersvorsorge treten müssen.

Generell stellt sich die Frage, wie hoch die Chance für die Durchsetzung dieser Rente ist. Der Vorschlag soll via Bundesinitiative auf den Weg gebracht werden. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass noch vor den Bundestagswahlen 2017 eine derart große Reform der Altersvorsorge durchgesetzt wird. Danach könnten die Chancen jedoch steigen, weil die etwaige neue Regierung dann verstärkt unter dem Druck steht, ihren Worten Taten folgen zu lassen.

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