Berufsunfähigkeit: Wie Versicherer ihre Kunden übergehen

(foto) Die Berufsunfähigkeit richtig absichern - geht das überhaupt?Die Berufsunfähigkeitsversicherung gilt neben der Unfallversicherung als wichtigster Zweig der privaten Vorsorge. Denn die Folgen einer Berufsunfähigkeit aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls sind verheerend. Doch wenn es darauf ankommt, haben Versicherte oftmals gar nichts von ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung, weil der Versicherer einfach die Leistungen verweigert. Die Crux: Laut Vertrag ist das Versicherungsunternehmen nicht selten im Recht.

Die häufigsten Streitigkeiten zwischen Versicherungskunden und Assekuranzen gibt es in puncto Berufsunfähigkeit. Obwohl Verbraucher die Auszahlungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung oftmals dringend brauchen, stellen sich zahlreiche Versicherer stur und zögern die Zahlungen möglichst weit hinaus. Für Kunden beginnt dann zumeist der sprichwörtliche Kampf gegen Windmühlen, da die Assekuranzen häufig einen Weg finden, um nicht zahlen zu müssen.

Berufsunfähigkeit: Schadensregulierung immer schlechter

Generell scheint sich das Regulierungsverhalten der Assekuranzen zu verschlechtern. Dies ging zumindest aus einer vom Deutschen Anwaltsverein (DAV) in Auftrag gegebenen Studie hervor, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa durchführte. Immerhin beklagten in der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht 70 Prozent der 1.257 Mitglieder eine solche Verschlechterung. Etwa 65 Prozent der Befragten sind sich sicher, dass die Ansprüche ganz bewusst verzögert oder gar vereitelt würden. Vor allem betroffen ist dabei die Berufsunfähigkeitsversicherung, bei der es laut 77 Prozent der befragten Mitglieder am häufigsten zum Streit kommt.
Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hielt allerdings dagegen, dass es bewusste Verzögerungen beziehungsweise Vereitelungen von Versicherungsansprüchen insbesondere bei der Berufsunfähigkeit nicht gäbe. Der GDV berief sich dabei auf die niedrigen Beschwerdezahlen bei den entsprechenden Schlichtungsstellen. Demnach böten die Daten keinerlei Anhaltspunkte für systematische Verschleppungen.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Recht oft beim Versicherer

Darüber hinaus gab der GDV an, dass bei der Berufsunfähigkeitsversicherung lediglich zwei Prozent der Leistungsentscheidungen überhaupt vor Gericht landeten. In den meisten Fällen entschieden die Gerichte dabei gemäß der Leistungsbeurteilungen der Assekuranzen. Der Grund: Nicht selten kann den Versicherten nachgewiesen werden, dass sie vor dem Vertragsabschluss die sogenannte Anzeigepflicht verletzt haben, indem sie etwa die Gesundheitsfragen nicht wahrheitsgemäß beantworteten. In einem solchen Fall hat der Kunde keine Chance bei einer Berufsunfähigkeit Unterstützung zu erhalten.
Darüber hinaus müssen sich viele Verbraucher mit der Herausforderung konfrontiert sehen nachzuweisen, dass sie wenigstens 50 Prozent ihrer Tätigkeit nicht weiter ausführen können. Andernfalls werden sie darauf verwiesen, sich leichtere Tätigkeiten zu suchen.

Berufsunfähigkeit: Bei Vertragsabschluss genau hinschauen

Bei der Berufsunfähigkeit gehe es natürlich um sehr große Summen, so Martin Oetzman vom Bund der Versicherten. Demzufolge schauten die Versicherungen auch recht genau hin. Nichtsdestotrotz weist Oetzman darauf hin, dass die Streitigkeiten in puncto Berufsunfähigkeit oftmals auf das subjektive Empfinden der Versicherten zurückzuführen wären. So sei es manchmal vertraglich festgelegt, das die Assekuranz in einem bestimmten Fall nicht zahlen muss. In Altverträgen kommt demnach vermehrt das sogenannte Prinzip der abstrakten Verweisung zum Tragen. Ist dieses beispielsweise vereinbart, bekommt der Kunde nur dann eine Berufsunfähigkeit zugeschrieben, wenn er keiner anderen Tätigkeit nachkommen kann, welche er angesichts seiner Ausbildung sowie Erfahrung übernehmen könnte. So kann etwa ein Lokführer in den Innendienst gestellt werden.
Außerdem macht eine weitere Vertragsklausel bei der Berufsunfähigkeitsversicherung dem Verbraucher oft Ärger, nämlich diese, nachdem der Versicherer überprüfen darf, ob der Versicherte in früher ausgeübten Berufen weiterhin tätig sein könnte. Daher gilt es beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung immer genau zu schauen und im Zweifelsfall entsprechende Klauseln mit der Assekuranz zu verhandeln.

Sehr anzuraten ist darüber hinaus, bei der Auswahl der Versicherung nach Testsiegern bei der Berufsunfähigkeitsversicherung zu fragen, denn hierbei kann man eher auf gute Leistungen vertrauen. Wer sich gegen Berufsunfähigkeit versichern möchte und einen Überblick über aktuelle Angebote und Versicherungsunternehmen benötigt, kann auch auf GELD.de einen Vergleich der Berufsunfähigkeitsversicherung durchführen.

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