Euro-Rettungsfonds sammelt Geld ein

Der Euro-Rettungsschirm hat sein erste Hürde genommen: an den Kapitalmärkten stieß er am Dienstag auf eine rege Nachfrage. Die erste Anleihe mit einem Volumen von fünf Milliarden Euro war fast um das neunfache überzeichnet.

So hörte man aus Kreisen des EFSF, dass insgesamt Aufträge im Wert von 43 Milliarden Euro eingingen. Für das Papier mit einer fünfeinhalb jährigen Laufzeit interessierten sich vor allem Zentralbanken aus Asien und Südamerika sowie Staats- und Pensionsfonds.

Rekordverdächtige Nachfrage

Es sei rekordverdächtig, dass die Anleihe fast neunfach überzeichnet war. „Die Nachfrage war überwältigend“, erklärte Klaus Regling, Vorsitzender des Fonds. So sei innerhalb von 15 Minuten das Orderbuch geschlossen wurden, wie Carl Heinz Daube, Geschäftsführer der Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland, berichtete.

Der überwiegende Anteil der Nachfrage kam demnach mit 37,4 Prozent aus dem asiatischen Raum. Allein die japanische Regierung kaufte über 20 Prozent der ersten Tranche, wie der Fonds mitteilte. Die insgesamten Kosten für die Kreditaufnahme werden auf 2,89 Prozent pro Jahr beziffert.

Deutschland gegen den Rest?

Unterdessen wurden auch wieder Stimmen nach einer Aufstockung des Rettungsschirms laut. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, wird dies aber von der Bundesregierung weiterhin abgelehnt. Der Erfolg bei der Platzierung der Anleihe zeige, dass das Vertrauen in die europäische Handlungsfähigkeit vorhanden sei, wie Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) gegenüber Reuters betonte.

Weiterhin wolle man an den „harten Auflagen“ für künftige Hilfen festhalten, wie der EU-Währungskommissar Olli Rehn der FDP-Bundestagsfraktion versicherte. So wolle die EU-Kommission Deutschland möglichst schnell für neue Schritte zur langfristigen Stabilisierung des Euros gewinnen, wie die Deutsche Presseagentur mitteilte.

Kampf um die Bestnote

Der Platzierung der Anleihe ging ein Streit über das eigentliche Volumen des EFSF voraus. Obwohl dieser zwar ein nominelles Volumen von 440 Milliarden Euro besitzt, können nur rund 250 Milliarden Euro verliehen werden. Der Differenzbetrag wird als Sicherheit hinterlegt um bei den Ratingagenturen die Bestnote „AAA“ zu erhalten. So bleibt nur die von den sechs wirtschaftlich stärksten Ländern garantierte Summe übrig, also von Deutschland, Frankreich, Österreich, Finnland, Niederlande und Luxemburg.

Entgegen der Auffassung der Bundesregierung, spricht sich auch der Internationale Währungsfonds (IWF) dafür aus, den „effektiven Umfang“ des EFSF zu erhöhen und den Fonds weiter zu flexibilisieren. Gleiches ist vom Präsidenten der EU-Kommission, José Manuel Barroso zu hören, der sich in letzter Zeit ebenfalls für eine Aufstockung des Fonds einsetzte.

85 Milliarden Euro an Irland

Im November letzten Jahres musste Irland als erstes Land den Rettungsschirm in Anspruch nehmen. Insgesamt wurde der Regierung in Dublin 85 Milliarden Euro an Krediten zugesagt – davon sollen 17,5 Milliarden Euro aus dem EFSF stammen. Der Rest soll von EU-Kommission und dem IWF beigesteuert werden.

Der Zeitplan sieht vor, in diesem Jahr insgesamt 16,5 Milliarden Euro und im nächsten 10 Milliarden Euro aufzunehmen. Regling gab diesbezüglich gegenüber der dpa an: „Im Moment haben wir das Geld zusammen, das wir Irland zugesagt haben. Jetzt warten wir bis zum zweiten Quartal und entscheiden dann, was als nächstes zu tun ist.“

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