Finanzexperten wollen Bargeld annullieren

(Bild) BargeldDie Europäische Zentralbank senkte den Leitzins, um die Menschen zur Investition zu drängen, doch die Strategie scheiterte. Als neuer Plan kursiert nun das Vorhaben, Bargeld für ungültig zu erklären.

Bei den Beratungen von Zentralbanken und dem Internationale Währungsfond (IWF) kamen Vorschläge auf, Bargeld in seiner bislang bekannten Form abzuschaffen. Damit erwägen die Finanzexperten der Welt, eine vermeintliche Maßnahme gegen das anhaltend schrumpfende Wachstum der trägen Wirtschaft umzusetzen. Ganz neu ist die Idee zwar nicht, aber nun scheint sie wieder an Fahrt zu gewinnen.

Weniger als Null

Anstoß der Debatte um die scheinbar irrwitzige Idee der Abschaffung des Bargelds gab Larry Summers auf einer Veranstaltung des IWF. Summers, der enger Berater von US-Präsident Barack Obama ist, deutete vor den Wirtschaftswaisen an, dass es auch weniger als Null geben könne. Damit spielt er auf die Finanzpolitik der niedrigen Zinsen an, die seiner Meinung nach auch unter Null liegen könnten. Der derzeitige Kurs im niedrigen, positiven Bereich hingegen, ist eine Not- aber keine Dauerlösung. Die Geldvermehrung durch Zinsen verfehlt dabei ihren Zweck; sie schafft kein Wachstum und keine Arbeitsplätze. Statt durch die niedrigen Zinsen Geld auszugeben, horten es die Menschen weiterhin aus Angst vor dem Kollaps. Gerade darum, so Summers Gedanke, wäre eine außergewöhnliche Maßnahme vielleicht sinnvoller, als der Weg mit dem Problem zu leben. Die Maßnahme aber, würde die Abschaffung des Bargeldes bedeuten.

Negative Zinsen als logischer Folgeschritt?

Dass Summers Vorschlag auf mildes Belächeln stößt, ist nicht durchweg der Fall – im Gegenteil. Auch einige Wirtschaftsbeobachter halten negative Zinsen für den nächsten, logischen Schritt. Eine andere Option bliebe auch beispielsweise der Europäischen Zentralbank (EZB) kaum noch, wenn der zuletzt auf 0,25 Prozent gesenkte Leitzins nicht die erhoffte Wirkung hat. Mit ihm herrscht bereits ein negativer Realzins: Der Zinssatz liegt unterhalb der Inflation. Damit erhält der Kunde zwar einen positiven Zins, doch die Kaufkraft seines Kapitals verfällt stetig. Wirtschaftswachstum triebe die Gegenentwicklung voran, doch dazu muss erst Geld in den Kreislauf. Darum drängt die EZB dazu, Geld auszugeben, indem sie den Leitzins senkt und Sparer straft.

Würde der Zins infolge der Strategie aber tatsächlich unter Null fallen, würden die Leute erst recht nicht mehr zur Bank bringen. Als Alternative bleibt daher nur: Das Bargeld abschaffen. So jedenfalls beurteilt es die Zeitschrift „Business Insider“. In dem Szenario geht die Zeitschrift davon aus, dass eine bargeldlose Gesellschaft dank Elektronik möglich wäre. Es ergäbe sich jedoch der Effekt, dass alles Geld bei einer Bank liegen muss, statt Zuhause in der Schublade. Hätten die Banken diese Macht, könnten sie mit Zinssätzen unter Null ihre Kunden deutlich dazu treiben, Geld auszugeben. Jeder der dann hingegen Geld auf seinem Konto hält, würde durch Negativzins Verluste machen. Die Finanzpolitik würde, wie jetzt tendenziell auch, als eine Strafsteuer für Sparfüchse funktionieren. In der Erwartung, die Leute würden ihr Geld stattdessen schnell ausgeben, wäre die Finanzkrise gelöst: Der sparsame Norden blutet für den verschuldeten Süden.

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