Denkfehler vereitelt günstige Geldanlagen

(Bild) GeldanlagenWie die Welt vom Samstag schreibt, können aufgrund eines typischen Fehlers nicht einmal Fachstudierende Geldanlagen gerecht einschätzen. Dabei ist das Abwägen von Risiken und Chancen Voraussetzung, um auf Anhieb eine persönlich günstige Geldanlage zu finden. Folgendes Gedankenspiel hilft nicht nur bei der Geldanlage zu mehr Überlegenheit.

Wenn Anleger bei der Bank nach einer günstigen Geldanlage fragen, dann meinen sie meist ein Investment, bei dem das Geld so viel wie möglich arbeitet; also eine Geldanlage mit hohen Zinsen, die viel Rendite abwirft. Die gängigsten Wege führen für Privatanleger dann zu den Banken mit dem attraktivsten Festgeld oder auch Tagesgeld. Soweit, so gut. Studien zeigen aber, dass es auch bei diesen so populären Produkten oft zum Fehltritt kommt. Die Anleger entscheiden sich nicht für die optimale Option, sondern für die nur augenscheinlich beste Geldanlage. Das Problem ist ein unscheinbarer, aber klassischer Denkfehler, dem jetzt auf die Schliche gekommen werden soll.

Erziehung unter linearen Mustern

Das ganze Problem beginnt schon in der Erziehung. Früh werden wir darauf trainiert, linear zu denken. Taschengeld beispielsweise, wurde meist nach einem linearen Prinzip bezahlt: Jede Woche zwei Mark. Nach zwei Wochen hatte man vier Mark im Sparschwein, dann sechs, dann acht, und so weiter. Ein anderes lineares Prinzip hoher Bekanntheit ist die Geschwindigkeit. Bei 50 km/h legt man jede Stunde 50 Kilometer zurück. Nach zwei Stunden lässt sich errechnen, wurden 100 Kilometer zurückgelegt; nach drei Stunden 150 und so fort. Selbst einige unserer Zeitangaben verhalten sich zueinander linear. So vergeht alle sieben Tage eine Woche. Grafisch dargestellt entsprechen all diese Beispiele einer mit konstanter Steigung nach oben verlaufenden Gerade. Dieses lineare Prinzip ist unser klassisches Denkmuster für Wachstum, weil es leicht verständlich, vorherseh- und kontrollierbar ist. Weil wir es so gewohnt sind, fällt es uns dafür umso schwerer, aus dem linearen Denken auszubrechen. Der Selbsttest ist im folgenden Absatz möglich.

Beschleunigtes Geld

Kommen wir nochmal auf das Sparschwein zurück. Würde ein Angestellter jeden Monat sein gesamtes Gehalt von 2.000 Euro im Monat darin sparen, so würde die Sau – also das Sparschwein – wieder nach dem linearen Prinzip wachsen. Man kann sich relativ gut vorstellen, wie das „Schweinl“ (der sparsame Angestellte ist ja offensichtlich Schwabe) jeden Monat um 2.000 Euro dicker wird. Kaum vorstellen kann man sich hingegen das Wachstum des Sparschweins, wenn die Lohnzahlung des Angestellten nun immer kurzfristiger erfolgt – sie sich also beschleunigen würde. Sollte man es dennoch beschreiben, würde vermutlich viele so etwas ähnliches sagen wie, der Angestellte bekomme statt monatlichem Gehalt jetzt wöchentlich 2.000 Euro oder er bekomme fortan jeden Monat 8.000 Euro etc.. In diesen und ähnlichen Lösungen läge zwar durchaus schon eine Beschleunigung, sie wäre aber nur punktuell und kurzfristig. Ein sich immer beschleunigendes, statt eines nur beschleunigten Wachstums, kann man sich tatsächlich nicht vergegenwärtigen. Und dies führt nun auch zum Problem, Geldanlagen wie Festgeld oder Tagesgeld richtig einschätzen zu können.

Exponentiell wachsende Geldanlagen

Die mathematische Beschreibung eines sich stets beschleunigenden Wachstums ist „exponentielles Wachstum“. Die Finanzwelt repräsentiert es mit dem Zinseszins. Weil wir dessen Verlauf so schwer begreifen können, ist er anfangs oft unscheinbar, explodiert dann aber förmlich ins Unermessliche. Oder können Sie es sich vorstellen, dass es Geld in Milliardenhöhe braucht; würde man auf das erste Feld eines Schachbretts einen Euro und auf das jeweils nächste die doppelte Anzahl des vorherigen Feldes legen wollen. Für zwei Felder wären nur drei Euro nötig; für drei Felder aber schon sieben. Für ein Viertel des Sachbretts wären 49.152 Euro nötig und der Wert an 1 Euro-Münzen für die Hälfte des Spielbretts übersteigt schon die Milliarde: 3.221.225.472 Euro auf 32 Feldern.

Zinseszins verschafft günstige Geldanlagen

Unterzieht man Geldanlagen einem Vergleich, ist es nachweislich der häufigste Fehler, dass Zineszinseffekte unterschätzt werden. Um langfristig Geld zu sparen, sollte auf diesen Effekt aber nicht verzichtet werden. Ein Sparbuch mit Zinseszins kann so auf lange Sicht die deutlich günstigere Geldanlage sein und sogar gut verzinstes Festgeld oder Tagesgeld übertreffen. Aber auch bei Festgeld und Tagesgeld ist Zinseszins möglich. Tagesgeld gilt als „geileres Girokonto“ und Festgeld bieten einige Banken beispielsweise mit guten 1,4 Prozent Zinsen bei jährlicher Verzinsung an; aber auch mit 1,2 Prozent mit monatlicher Verzinsung. In einer Londoner Studie entschieden sich die meisten Anleger für die augenscheinlich bessere, erste Variante: 1,4 Prozent Zinsen aufs Festgeld. Tatsächlich aber ist der Zinseszinseffekt so stark, dass er in Variante zwei durch eine monatliche Verzinsung zu deutlich höheren Erträgen führt.
Wissenschaftler meinen, dass das lineare Denken uns in solchen Fällen im Weg steht. Überwinden kann man es, in dem man den Vergleich von Geldanlagen gründlich angeht und man, sofern vorhanden, den Zinseszinseffekt berechnet. Durch die Berechnung wird absolut transparent, welche von zwei Alternativen die günstigere Geldanlage ist. Vor allem wenn man die Laufzeit variiert, explodieren die Erträge des Zinseszins. So kann man nicht nur erfolgreicher Geld anlegen, sondern sich über eine attraktive Geldanlage mit Zinseszins auch viel Geld für das Alter zurücklegen. Tagesgeld hingegen ist für kurze Anlagezeiträume geeignet, in denen der Zinseszinseffekt noch nicht zum Tragen kommt. Mehr zur Eignung einzelner Geldanlagen beschriebt die Anleitung, wie man eine günstige Geldanlage findet.

Fazit und weitere Tipps um erfolgreicher Geld anzulegen

  • Zinseffekte sollten nicht unterschätzt werden
  •  der Zinseszins entspricht exponentiellem Wachstum
  •  der Zinssatz allein sagt nur bedingt etwas über eine Geldanlage aus
  •  mit Zinseszins angelegtes Geld sollte tendenziell langfristig liegen
  •  Angebote von Banken schriftlich bestätigen lassen
  •  jedes Angebot sollte rechnerisch vollständig geprüft werden
  •  längere Laufzeiten lassen Zinseszinseffekt explodieren
  •  der Bank keine vorschnelle Zusage machen
  •  der Vergleich der Geldanlage ist obligatorisch

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