Sony gerät in Bedrängnis

Nach dem Diebstahl von vermutlich 77 Millionen Kundendaten zeichnen sich die ersten Konsequenzen für Sony ab – der Aktienkurs fällt, Politiker und Datenschützer sind entsetzt.

Vor knapp einer Woche hat Sony sein Playstation-Netzwerk heruntergefahren. Seitdem hat das Unternehmen rund 2,5 Milliarden Euro an Wert verloren. In mehreren Ländern wurden nun erste juristische Maßnahmen eingeleitet. Peter Schaar, Datenschutzbeauftragter der Bundesregierung, forderte im ARD-Morgenmagazin „stärkere internationale Instrumente, um den Datenschutz zu gewährleisten.“

Klagen gegen Sony

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, haben Kunden in den USA eine Sammelklage gegen Sony eingereicht. Sie fordern Schadensersatz, dass sensible Informationen, wie Name, Geburtsdatum oder Passwort für das Playstation-Netzwerk und die Unterhaltungsplattform Qriocity, in die Hände von Hackern gelangt sind.

In Deutschland könnte das Unternehmen für die schlechte Informationspolitik zur Rechenschaft gezogen werden. Dass Sony seine Kunden erst sieben Tage nach dem Zugriff über den Datenklau informiert hat, sei ein Verstoß gegen das Datenschutzgesetz. Trotz des Firmensitzes in Japan müsse sich das Unternehmen an geltendes deutsches Recht halten. Möglich wären Bußgelder in Höhe von bis zu 300 000 Euro.

Forderung nach international einheitlichem Datenschutz

Peter Schaar forderte in diesem Zusammenhang, dass ein hohes Datenschutz-Niveau nicht nur in Deutschland, sondern auch über Grenzen hinweg notwendig sei. Der gleichen Meinung ist auch August-Wilhelm Scheer, Präsident des High-Tech-Verbands Bitkom. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP erklärte er: „Der aktuelle Fall macht deutlich, dass scharfe deutsche Gesetze in der globalen Welt des Internets nichts bewirken.“

Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Datenschutzzentrums Schleswig-Holstein, sieht auch in Deutschland Nachbesserungsbedarf. Gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte er, dass Weltkonzerne wie Sony, Facebook und Google in Deutschland faktisch nicht für Versäumnisse beim Datenschutz haftbar zu machen sind.

Die Nutzer von solchen Online-Netzwerken seien derzeit auf eigenes Risiko unterwegs, da der Gesetzgeber „diese rechtliche Grauzone noch immer toleriert“, erklärte Weichert. Wer Daten von deutschen Verbrauchern im Internet zu wirtschaftlichen Zwecken erheben wolle, der müsse künftig gesetzlich verpflichtet werden, eine juristisch verantwortliche Stelle in Deutschland einzurichten, so die Forderung des Datenschützers.

Probleme auch bei Microsoft

Mittlerweile räumte Sony ein, dass die Hacker auch verschlüsselte Kreditkarteninformationen ausgespäht haben könnten. In Kooperation mit der Polizei suche der Konzern nun nach den Tätern. Außerdem wurde eine „angesehene Technologie-Sicherheitsfirma“ beauftragt eine „vollständige Untersuchung“ des Hacker-Angriffs vorzunehmen, wie der Sony-Sprecher Patrick Seybold erklärte.

Auch der Konkurrent Microsoft warnte nun seine Nutzer vor einem ähnlichen Angriff bei seiner Spielekonsole XBox360 und dem dazugehörigen XBox-Live!-Netzwerk. Probleme gebe es bei den registrierten Nutzern des überaus erfolgreichen Spiels „Call of Duty: Modern Warfare 2“. Während des Spiels könnten Nutzer Nachrichten erhalten, die sensible Daten erfragten. „Wir kennen das Problem und sind dabei, es zu beseitigen“, erklärte Microsoft gegenüber der AFP.

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