Demenz als größte Herausforderung der Pflegeversicherung

Der am heutigen Tag von der Barmer GEK veröffentlichte „Pflegereport 2010“ zeichnet ein düsteres Bild am Altershorizont. So muss fast jede zweite Frau und jeder dritte Mann damit rechnen, im hohen Alter an Demenz zu erkranken. Dies geht aus Daten des Jahres 2009 hervor, wo 29 Prozent der männlichen und 47 Prozent der weiblichen Versicherten vor ihrem Ableben eine Altersdemenzdiagnose erhielten. „Mit der Entwicklung dementieller Erkrankungen stoßen wir in eine neue Pflegedimension vor“, erklärt Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, Vorstand der Barmer GEK. „Es bedarf einer tragfähigen Lösung für die Pflege von morgen.“

Demenzerkrankungen werden häufiger

Das Krankheitsbild der Demenz bezeichnet im Allgemeinen ein Defizit der kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten, was zwangsläufig zu Einschränkungen und Beeinträchtigungen des sozialen und beruflichen Lebens führt. In der Regel sind Kurzzeitgedächtnis, Denkvermögen, Sprache, Rhetorik und zum Teil auch die Persönlichkeitsstruktur betroffen. Die am häufigsten auftretende Form ist die der Alzheimer-Krankheit. Das Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen (ZeS) geht derzeit von rund 1,2 Millionen Betroffenen aus, jedoch wird bis 2030 ein Anstieg auf 1,8 Millionen prognostiziert. Bis 2050 sollen es sogar 2,5 Millionen sein. Damit würde sich der Anteil der Demenzkranken an der Gesamtbevölkerung innerhalb eines halben Jahrhunderts von 1,5 auf 3,8 Prozent erhöhen – eine immense Herausforderung für die künftige Entwicklung der Pflegeversicherung.

Denn die Daten der Studie weisen vor allem auf einen Zusammenhang hin: Demenz führt fast zwangsläufig zur Pflegebedürftigkeit. „Zwar ist ist eine Demenzerkrankung nicht sofort mit Pflegebedürftigkeit verbunden. Mit der Diagnose vervierfacht sich allerdings die Wahrscheinlichkeit, noch im selben Quartal als pflegebedürftig eingestuft zu werden“, erklärt der Leiter der Studie, Dr. Heinz Rothgang. So waren nur zehn Prozent der im letzten Jahr verstorbenen Demenzkranken nicht pflegebedürftig. Eine solche Krankheit ist mit einer intensiveren Pflege verbunden, deren Betreuungsaufwand erheblich höhere Kosten verursacht. So liegen etwa die monatlich benötigten Aufwendungen aus den Sozialversicherungen für Demenzkranke im Schnitt um 800 Euro höher als bei einer gleichaltrigen, nicht dementen Person.

Fast jeder zweite ist vor seinem Tod pflegebedürftig

Aber auch der Anstieg der allgemeinen Pflegebedürftigkeit ist massiv. So war im Jahr 2009 fast jeder Zweite vor seinem Tod auf Pflege angewiesen; dies bezeichnet einen Anstieg von sieben Prozent im Vergleich zu 2001 (von 40 auf 47 Prozent). Die gleiche Entwicklung ist bei Frauen zu beobachten, die im Allgemeinen eher Pflegeleistungen in Anspruch nehmen: im selben Zeitraum stieg der Anteil von 60 auf 67 Prozent.

Schlenker appellierte deswegen an die Politik, eine Neuausrichtung der Pflegeversicherung in Angriff zu nehmen. So solle man sich, bevor alternative Versicherungs- und Finanzierungsformen ins Spiel gebracht werden, zuerst über den künftigen Leistungsinhalt und -umfang der Pflegeversicherung verständigen. „Vorrangig muss die Leistungsfrage beantwortet werden. Erst dann kann entschieden werden, ob wir überhaupt eine neue Finanzierungssäule in der Pflegeversicherung brauchen oder ob nicht die klassische Beitragsfinanzierung eine angemessene Antwort auf die Finanzierungsherausforderung gibt“, erklärt Schlenker abschließend. Eine Pflegereform wurde vom Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) bereits für das kommende Jahr angekündigt. Der Plan von Union und FDP sieht vor, die private Zusatzversicherung auszubauen, ähnlich dem Modell der Riester-Rente bei der Rentenversicherung.

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