Online-Banking: Girokonto wegen Geldabheben gekündigt

Bild Girokonto: Geld abheben am AutomatenDas haben sie so wohl auch noch nicht erlebt: Kunden des Finanzdienstleisters Number26 haben Hunderten Kunden die Girokonten gekündigt – ohne Vorwarnung, ohne Erklärung. Die folgte erst, nachdem ein Shitstorm auf das Unternehmen herein prasselte: Die Nutzer hätten sich ungewöhnlich verhalten.

Ein Girokonto brauchen die meisten Bürger für ihr Alltagsleben. Miete, Gehalt, laufende Rechnungen – all das läuft über das Girokonto, das viele sogar täglich bewegen. Sei es bei der EC-Kartenzahlung im Supermarkt, oder beim Abheben am Bankautomaten. Letzteres wurde jetzt Kunden des Finanz-Startups Number26 zum Verhängnis. Sie waren schlicht zu oft am Geldautomaten gewesen, um Bares abzuheben. Was für den normalen Bankkunden mit Girokonto üblich ist, wird bei Number26 jedoch zum Problem, zumindest wenn es häufig vorkommt.

Wenn die App keine Bank sein will

Genaugenommen ist Number26 nämlich gar keine Bank und hat auch keine Banklizenz. Das Konto wird von der Wirecard Bank gestellt, die wiederum der deutschen Finanzaufsicht untersteht. Number26 bietet lediglich die App dazu an, mit der das Girokonto vom Smartphone aus gesteuert werden kann. Das Online-Banking am PC, wie man es von Direktbanken kennt, spielt bei Number26 nur eine untergeordnete Rolle. Mit allen Funktionen ist das kostenlose Girokonto nur nutzbar, wenn es über die Smartphone-App aufgerufen wird. Zwar wirbt das Unternehmen damit, dass Kunden mit der kontoeigenen MasterCard kostenlos Bargeld abheben können. De facto wurden mehrere hundert Kunden jedoch gekündigt, weil sie zu häufig am Automaten gewesen seien, wie das Online-Banking-Unternehmen Anfang Juni in einer Stellungnahme mitteilte.

Girokonto: Lieber App als abheben

15 bis 30-mal seien manche Kunden im Monat am Automaten gewesen, und das über Monate hinweg. Wo der normale Bankkunde jetzt mit den Schultern zuckt, ist Schluss mit lustig bei Number26. Denn gerade in Deutschland sind die Preise für Abhebungen hoch – sie liegen zwischen 1,50 und 2,00 Euro pro Aktion. Wer alle zwei Tage einen kleineren Betrag abhebt, kostet das Unternehmen mehr als ein Kunde, der sich einmal im Monat eine größere Bargeldsumme am Automaten holt. Um die Kosten für den Großteil der Kunden gering zu halten, habe man sich entschlossen, die Kunden mit dem „ungewöhnlichen“ Nutzerverhalten zu kündigen.

Kundenverhalten vs. Unternehmensstrategie

Eine besondere Diskrepanz ergibt sich aus dem Kundenumgang des Finanzdienstleisters, weil den meisten Kunden der Ernst der Lage gar nicht klar war. Zwar gab es im Oktober eine E-Mail des Unternehmens, die Kunden sollten doch häufiger mit ihrer Karte bezahlen, statt Bargeld am Automaten abzuheben. Die wenigstens dürften jedoch mit den Folgen gerechnet haben und waren bei der Kündigung des Girokontos entsprechend empört. So gut die Möglichkeiten eines Girokontos bei Number26 klingen – Moneybeam, Echtzeit-Banking, Geldauszahlung an der Supermarktkasse – zu manchen Verbrauchern passt das Konzept der mobilen App, die keine Bank ist, einfach nicht. Das weiß das Unternehmen und jetzt wissen es die Kunden auch. Zumindest gab es von Number26 jetzt eine Entschuldigung: Man wolle sich künftig um mehr Transparenz bemühen und eine entsprechende „Fair Use Policy“ entwickeln, die die Spielregeln des mobilen Girokontos gegenüber dem Kunden klarer macht. Den Gekündigten bleibt immerhin noch die Möglichkeit, sich um eine erneute Prüfung zu bemühen. Der Anbieter will im Einzelfall entscheiden, ob das Konto weiter genutzt werden darf. Alle anderen suchen jetzt wohl einen neuen Anbieter für das Girokonto – und treffen diese Auswahl wahrscheinlich sorgfältiger.

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Eine Antwort zu “Online-Banking: Girokonto wegen Geldabheben gekündigt”

  1. Leonard sagt:

    Vielen Dank für den Artikel. Das darf natürlich überhaupt nicht vorkommen. Die Reaktionen der Kunden ist schon verständlich. Immerhin wurde Ihnen das Girokonto gekündigt, ohne Vorwarnung. Für mich wäre das ein Grund dem Unternehmen für immer den Rücken zu kehren.
    Man sollte immer gut vergleichen bei der Wahl des Girokontos.

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