GELD.de-Studie: Nur 10 Prozent Aufklärungsquote bei Fahrrad-Diebstahl

FahrräderJährlich werden mehrere Hunderttausend Fahrräder gestohlen. Allerdings bleiben fast 90 Prozent der Diebstähle ungeklärt. GELD.de hat die Hochburgen des Fahrrad-Klaus ausfindig gemacht.

Über 360.000 gestohlene Fahrräder müssen sich Radfahrer in Deutschland, Österreich und der Schweiz ärgern. Allein in Deutschland wird Schadenhöhe auf über 120 Millionen Euro für 2010 geschätzt. Das geht aus einer großen Kriminalitätserhebung des Verbraucherportals GELD.de hervor. Bei der Studie ging es vor allem darum, in welchen der 127 untersuchten Städten das Diebstahlrisiko besonders hoch ist.

Münster ist Hochburg Nr. 1 der Fahrraddiebe

Überraschend ist, dass nicht die großen Städte wie Berlin oder München besonders von Fahrrad-Entwendungen geprägt sind. Vielmehr sind die Langfinger in mittelgroßen Städten unterwegs. Die Diebstähle stehen also nicht proportional im Verhältnis zur Einwohnerzahl. In Münster etwa werden dreimal mehr „Drahtesel“ auf 100.000 Einwohner geklaut als in Berlin. Mit 1.828 entwendeten Rädern pro 100.000 Einwohner ist die westfälische Studentenstadt Spitzenreiter unter den Städten mit der höchsten Diebstahlquote. Auf Platz zwei der Fahrrad-Diebstahl-Hochburgen in Deutschland liegt Oldenburg. Hier mussten statistisch gesehen 1.521 von 100.000 Einwohnern unfreiwillig auf ihr Fahrrad verzichten. Eine weitere niedersächsische Stadt, nämlich Celle, ist mit 1.361 gestohlenen Fahrrädern auf 100.000 Einwohnern die drittgefährlichste deutsche Stadt, was Fahrraddiebstahl betrifft; dicht gefolgt von Frankfurt/Oder (1.341). Auch in Dessau-Roßlau (1.268), Magdeburg (1.158), Lübeck (1.116), Heide (1.104), Bremen (1.063) und Lüneburg (1.004) müssen Fahrradbesitzer besonders um ihre Zweiräder bangen.

Städte-Top 5 und Flop 5 FahrraddiebstahlTop 5 Fahrraddiebstahl-Hochburgen in Deutschland

  1. Münster, NRW (1.828 Fahrräder auf 100.000 Einwohner)
  2. Oldenburg, NS (1.521)
  3. Celle, NS (1.361)
  4. Frankfurt/O., BB (1.341)
  5. Dessau-Roßlau, SA (1.268)

Betrachtet man nur die absoluten Zahlen, führt allerdings Berlin mit 19.942 geklauten Fahrrädern die Liste der gefährlichsten Städte an. Hamburg (11.241) und Köln (6.172) folgen auf Platz zwei und drei.

Fahrräder in Remscheid am sichersten

Während Fahrradbesitzer in Münster lieber gleich mehrere Schlösser verwenden und am besten eine Hausratversicherung mit Fahrradschutz oder eine spezielle Fahrradversicherung abschließen, müssen Radfahrer in Remscheid am wenigsten einen Diebstahl fürchten. Hier werden durchschnittlich 93 Prozent weniger Fahrräder entwendet, als in allen anderen 126 Städten aus der GELD.de-Studie. Nur 36 Fahrraddiebstähle kamen 2010 auf 100.000 Einwohner. Wer in Neunkirchen/Saar, in Balingen, Wuppertal, Suhl, Stuttgart oder Wiesbaden lebt und radelt, muss sich weniger um sein Rad sorgen. Diese Städte sind laut der Studie als sicher eingestuft. 59 bis 191 Fährräder wurden hier gemessen auf 100.000 Einwohnern gestohlen.

Top 5 sicherste Städte in Deutschland

  1. Remscheid, NRW (36 Fährräder auf 100.000 Einwohner)
  2. Neunkirchen/Saar, SL (50)
  3. Balingen, BW (59)
  4. Wuppertal, NRW (59)
  5. Suhl, TH (61)

Egal, ob man aber in einer Stadt mit niedriger oder hoher Diebstahlquote wohnt, sollte sich nicht darauf verlassen, dass der Fall auch aufgeklärt wird.

Aufklärungsquote zwischen einem und 60 Prozent

Wer Glück hat, dessen gestohlenes Fahrrad wird von der Polizei ermittelt. Doch nur in durchschnittlich 10,1 Prozent der Fälle kann das Rad dem ursprünglichen Besitzer wiedergegeben werden. Das heißt, neun von zehn Rädern bleiben verschwunden. Aber je nachdem, wo das Fahrrad entwendet wird, variiert die Aufklärungsquote. In Deutschland schwankt sie zwischen 60 und 2,1 Prozent. Eine solche hohe Quote im zweistelligen Bereich gibt es in Österreich oder der Schweiz nicht. Hier liegt sie zwischen 9,3 und einem Prozent bzw. zwischen 8,7 und 1,2 Prozent.

Warum in manchen Städten mehr Diebstahlfälle aufgeklärt werden konnten als andernorts, hat verschiedene Gründe. In Balingen beispielsweise, wo sechs von zehn Fahrrädern wiedergefunden werden, wurde eine Tätergruppe „aus Jugendlichen und Kindern ermittelt, auf deren Konto ein großer Teil der Diebstähle ging“, so Peter Mehler von der Polizeidirektion. In Neubrandenburg lag die Aufklärungsquote gut der Hälfte (51,2 Prozent). Hier konnte man einen einzigen Tatverdächtigen dingfest machen, der allein für rund 200 Fälle verantwortlich sein soll. In Magdeburg werden 29,5 Prozent der Diebstähle aufgeklärt. Eine relativ hohe Quote dafür, dass es die „Soko Fahrrad“ nicht mehr gibt. Allerdings werden hier alle Diebstahlfälle zentral bearbeitet. „Die Kollegen machen, ähnlich wie die Soko, nichts anderes“, sagt Bernhard Wessner von der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt.

In München – Aufklärungsquote 22,1 Prozent – seien die Beamten sensibilisiert. Passt etwa die Statur des Fahrers nicht zur Fahrradgröße, wird kontrolliert. Meist sind es Einzeltäter, die sich auf illegalem Weg ein neues Fahrrad „beschaffen“. Das Diebesgut wird oft verkauft und zur Finanzierung von Drogen oder Alkohol genutzt.

Top 5 höchste Aufklärungsquote in Deutschland

  1. Balingen, BW (60 %)
  2. Neubrandenburg, MV (51,2 %)
  3. Pirmasens, RP (32,3 %)
  4. Magdeburg, SA (29,5 %)
  5. Fürth, BY (28,6 %)

Recht gering ist die Hoffnung, das gestohlene Fahrrad wiederzusehen, dagegen in Salzburg (1 %), Innsbruck (1,1 %), Bern (1,2 %), Traunstein (2,1 %), Zürich (2,5 %), Schwäbisch-Hall (2,8 %), Esslingen (3,2 %), Potsdam (3,4 %) oder Passau (3,8 %).

Top 5 niedrigste Aufklärungsquote in Deutschland

  1. Traunstein, BY (2,1 %)
  2. Schwäbisch-Hall, BW (2,8 %)
  3. Esslingen, BW (3,2 %)
  4. Potsdam, BB (3,4 %)
  5. Passau, BY (3,8 %)

Da oft keine Spuren zum Täter führen, ist sind Aufklärungsversuche in vielen Fällen aussichtslos. Die Fahrlässigkeit der Besitzer verführt die Langfinger zum Fahrradklau. „Nicht nur, dass sie ganz vergessen, ihre Räder zu sichern, auch sind viele Schlösser ihr Geld und ihr Schutzversprechen nicht wert“, so Andreas Schogalla von der Pressestelle Polizei Düsseldorf. GELD.de rät, etwa zehn Prozent des Radpreises sollten in die Sicherheit investiert werden. Besser, man macht es dem Schlossknacker und Fahrraddieb so schwer wie möglich, stellt sein Fahrrad über Nacht im Keller oder in einer abschließbaren Garage, gesichert an festen Gegenständen ab. Zusätzlich ist eine Hausratversicherung, die das Risiko des Fahrraddiebstahls einschließt, zu empfehlen.

+++ Studie hier komplett als PDF herunterladen +++

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