Alkohol am Steuer: Komplette Leistungskürzung der Vollkasko-Versicherung bei Autounfall

Autounfall durch AlkoholEine Vollkaskoversicherung muss nicht zwingend zahlen, wenn man im Alkoholrausch sein Auto gegen einen Baum oder eine Laterne setzt. Das hat am Mittwoch der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschieden.

Maximale Kürzung der Versicherungsleistung bei grober Fahrlässigkeit

Mit dem Urteil des BGH wurde nun endlich Klarheit für alle Autofahrer und Kfz-Versicherungen geschaffen, wie stark die Kaskoversicherung ihre Leistung bei grober Fahrlässigkeit kürzen darf. Das „Alles-oder-nichts-Prinzip“ in der Kfz-Versicherung wurde bereits 2008 abgeschafft. Seitdem dürfen Versicherer abhängig vom Verschuldungsgrad des Versicherten die Schadenersatzleistung nach Quotelungsverfahren reduzieren. Aber bislang gab es Unsicherheiten, ob die Versicherung um 100 Prozent kürzen darf, also gar nicht zahlen muss.

In dem vorliegenden Streitfall war ein Mann nach einem Konzertbesuch alkoholisiert mit seinem Auto gegen einen Laternenpfahl gefahren und verlangte von seiner Vollkasko-Versicherung 6.400 Euro für den beschädigten Wagen. Die Kfz-Versicherung verweigerte die Leistung vollständig mit der Begründung, der Versicherte habe noch nach dem Unfall einen Alkoholpegel von 2,7 Promille gehabt. In den Vorinstanzen bekam die Versicherung recht. So ging der Mann bis vor den BGH. Dort hieß es, dass die Leistungskürzung der Versicherung bis zu 100 Prozent möglich ist (Urteil vom 22.06.2011, Az. IV ZR 225/10).

Zahlung von Zurechnungsfähigkeit abhängig

Einschränkend meinen aber die Richter, dass das Leistungskürzungsrecht ausscheidet, wenn der Versicherte unzurechnungsfähig war. Von Unzurechnungsfähigkeit ist auszugehen, wenn der Blutalkoholwert mindestens 3 Promille beträgt. Vollständige Leistungskürzung ist also zwar bei grob fahrlässigem Handeln möglich, bei völliger Unzurechnungsfähigkeit aber nicht erlaubt. Denn in dem einen Fall wäre der Unfallfahrer schuldfähig, in dem anderen nicht.

Wie viel Alkohol der junge Mann zur Unfallzeit im Blut hatte, wurde jedoch nicht festgestellt. Auch hätte ihm ein Verschulden nachgewiesen werden können, wenn ihm schon vor dem Alkoholkonsum klar gewesen wäre, dass er später nicht mehr fahrtüchtig sein würde. Solange man noch zurechnungsfähig ist, sollte man dafür Rechnung tragen, dass man sich später nicht mehr alkoholisiert hinters Steuer setzt. Dies ist aber im vorliegenden Fall noch nicht erwiesen. Der BGH verwies also zur Vorinstanz zurück.

Das könnte Sie noch interessieren:

Tags: , , , , , ,

Unsere Autoren

Kommentar schreiben

Service Line

  • Wir beraten Sie gerne persönlich
  • 0800 - 589 589 0