Alters-Abzocke bei der Autoversicherung: Ist das fair?

Ist das gerecht? Die Autoversicherung stuft Verbraucher als „Risikokunden“ ein, selbst wenn sie ihr ganzes Leben unfallfrei gefahren sind. Für die Versicherungen sei das „eine vorsorgliche Vorsichtsmaßnahme“ besonders bei Älteren. Bezahlt werden muss aber.

Vor allem ältere Autofahrer werden von der Kfz-Versicherung als „Risikokunde“ eingestuft. Das geht etwa ab dem 60. Lebensjahr des Versicherten los. Und mit dieser Einstufung wird es so richtig teuer. Wenn der Kunde über 75 Jahre alt ist, zahlt er bis zur Hälfte mehr, als ein Verbraucher, der 20 Jahre jünger ist. Ein Beispieltarif der DEVK kostet mit 78 Jahren 465,- Euro jährlich. Als 58-jähriger würde man jedoch nur 321,- Euro zahlen und 30% weniger Beitrag leisten müssen. Dabei ist zunächst völlig egal, ob der Betroffene schon einmal Unfallverursacher war oder nicht. – Ist das fair?

Alters-Aufschläge in der Kfz-Versicherung

  • 60 Jahre: Beginn der Preisaufschläge (+/- 5 Jahre)
  • 65 Jahre: ca. 8% höhere Beiträge als 55-jährige
  • 70 Jahre: ca. 20% höhere Beiträge als 55-jährige
  • 75 Jahre: ca. 50% höhere Beiträge als 55-jährige
  • 80 Jahre: ca. 75% höhere Beiträge als 55-jährige

Keine Altersdiskriminierung nach Paragraf 20

Laut der Zeitschrift „Finanztest“ erheben fast alle Autoversicherungen Preisaufschläge nach Alter des Versicherten. Die „Stiftung Warentest“ hat dazu festgestellt, dass einige Kfz-Versicherungen ältere Kunden sogar gar nicht erst annehmen und eine Police ablehnen. Eine dieser Autoversicherungen gibt es beim ADAC. Der Tarif „Eco“ steht nur Kunden bis 69 Jahren offen, ganz egal, wie sicher oder unsicher der Fahrer am Steuer ist. Es wäre ein klassischer Fall von Altersdiskriminierung, die einen Gesetzesverstoß darstellt. Immerhin darf laut Antidiskriminierungsgesetz niemand Benachteiligungen wegen seines Alters erfahren. Jedoch gibt es da diesen Paragraf 20, auf den sich die Kfz-Versicherungen im Ernstfall berufen. Demnach ist keine Verletzung gegeben, sollte ein sachlicher Grund für die unterschiedliche Behandlung vorliegen. Die Versicherer bringen dazu ihre Statistik ins Spiel, in der ältere Autofahrer mehr Schäden verursachen, als Autofahrer mittleren Alters. – Komisch ist, dass die Zahlen des Statistischen Bundesamts im Gegensatz dazu stehen.

Fahrer ab 65 seltener in Unfälle verwickelt

Die Erhebungen durch das Statistische Bundesamt zeigen, dass Autofahrer ab einem Alter von 65 Jahren signifikant seltener in schwere Unfälle verwickelt sind, als Autofahrer jüngeren Alters. Oder statistisch formuliert: Autofahrer ab 65 Jahren machen rund 20% der Bevölkerung aus; haben im Jahr 2014 aber nur 13 Prozent der schweren Unfälle verursacht.
Einen wirklichen Zusammenhang zwischen Alter und Unfallrate stellt das Statistische Bundesamt erst in der Altersgruppe ab 75 Jahren fest. Und selbst diese Unfallzahlen liegen noch unterhalb der Fahrer bis 25 Jahre. Das widerspricht den Zuschlägen in der Autoversicherung ab 65.

So verteidigen sich die Versicherungen

Erklärt wird der Widerspruch in den Statistiken bislang damit, dass die Versicherungen Zahlen erheben, die dem Statistischen Bundesamt nicht vorliegen. So fließen bei der Autoversicherung auch kleine Schäden mit ein. Kratzer und Blechschäden sind es, die der Polizei nicht gemeldet, aber am häufigsten von älteren Autofahrern verursacht werden. Und da ältere Autofahrer eher alte Autos mit hohen Reparaturkosten fahren, entstehen trotz kleinerer Schäden deutliche Kosten. Zu den häufigsten Fahrfehlern der höheren Altersklassen gehören Vorfahrtsfehler, falsches Abbiegen, Missachten des toten Winkels oder des Blinkzeichens.
Wir von GELD.de denken, die Wahrheit liegt in der Mitte. Wir wissen beispielsweise, dass ältere Verbraucher weniger gern Tarife vergleichen und die Autoversicherung wechseln. Das mag einige Versicherungen dazu verleiten, den älteren Kunden mutig höhere Gewinnspannen aufzudrücken, als den preisbewussten jungen Versicherten. Dabei kann das Alter alleine, unserer Meinung nach, nicht Entscheidungsgrundlage sein, da gesundheitliche Einschränkungen ganz individuell in jeder Lebensphase auftreten können.

Gesundheitstest führen zu Fahrradunfällen

Der Ansatz, die Verkehrssicherheit und Autoversicherung in Verbindung mit regelmäßigen Gesundheitstests zu kontrollieren, überzeugt uns übrigens auch nicht: In Dänemark ist der Pflichtcheck schon längere Zeit Pflicht. Autofahrer müssen schon ab 50 Jahren alle fünf Jahre zum Arzt. Ab einem Alter von 70 Jahren verdichtet sich der Check auf alle zwei Jahre. Der Effekt: Die Zahl der Unfälle ging in Dänemark nicht zurück. Dafür stieg aber die Zahl bei Fahrradunfällen getöteter Rentner, weil viele Menschen auf den Drahtesel umstiegen.

Günstige Autoversicherung auch im Alter

Für einen sofortigen Schutz vor der Alters-Abzocke, bleibt Autofahrern wohl vorerst nicht viel. Wir von GELD.de empfehlen älteren Autofahrern, das Fahrzeug auf den jüngeren Partner, die Kinder oder Enkelkinder zu versichern. So kann man die wuchtigen Preisaufschläge umgehen. Zweitens ist es in der Tat ratsam, günstige Tarife der Kfz-Versicherung zu vergleichen. Das geht online ganz schnell und einfach, zur Not auch wieder mit der Unterstützung der Kinder oder Enkelkinder. Der Vergleich zur Autoversicherung hier auf GELD.de ist unverbindlich, kostenlos und führt zu Ersparnissen von bis zu 800 Euro bzw. 85 Prozent. Prüfen Sie hier 500 Tarife und Tarifkombinationen, die nicht nur zur Wechselsaison im Herbst günstig sind.


Quelle:Youtube.com/Stiftung Warentest

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