Wildwechsel: Unfälle mit Tieren wirklich vermeiden?

WildunfallDurchschnittlich 2.400 Euro – etwa so teuer ist ein Wildunfall im Schnitt. Und davon gibt es in Deutschland zirka 250.000 pro Jahr. Wie man Wildunfälle vermeidet, welche Kräfte wirken und wie sich Autofahrer mit der Versicherung richtig absichern, lesen Sie hier auf Blog.GELD.de.

Welche Kräfte wirken beim Wildunfall?

Ein Unfall mit einem Tier ist nicht zu unterschätzen. Bei Tempo 60 auf einen Rehbock zu prallen, entspricht aufgrund der Beschleunigung etwa einem Schlag von 0,8 Tonnen. Bei einem nur etwas größeren Dammhirsch sind es bereits 2,5 Tonnen, die schlagartig auf das Auto wirken. Ein Wildschwein kommt etwa auf 3,5 Tonnen Wucht und der Rothirsch sogar auf 5 Tonnen, wie der ADAC informiert.

Wo gibt es die häufigsten Wildunfälle?

Relevanz hat das Thema für alle Autofahrer, aber besonders häufig kommt es zu Wildunfällen in Bayern, gefolgt von Niedersachsen. Allein Zusammenstöße mit Rehwild gab es laut dem Deutschen Jagdverband bundesweit 193.520 in 2015. Dabei kann der Unfall ganz unterschiedlich verlaufen. Eine gute Versicherung ist deshalb umso nützlicher. Generell betroffen sind ohnehin ländliche Gebiete, insbesondere Landstraßen in Regionen, in denen Forst und Ackerbau betrieben wird.

Wie gefährlich sind Wildunfälle?


Quelle:Youtube.com/ADAC

Wann ist mit Wildwechsel zu rechnen?

Oft wird in Fahrschulen gelehrt, bei Wildwechsel über die Straße nicht auszuweichen, sollte der Bremsweg zu kurz sein. Der Unfall soll nicht vermieden werden. Hintergrund ist die Teilkaskoversicherung, die bei Schäden mit Wild eintritt. Allerdings gilt das nur für bestimmte Tierarten. Hunde, Katzen, Schafe, Kühe, Hühner und andere Nutztiere sind von der Versicherung oft ausgeklammert. Von daher und wegen der enormen Kraft beim Aufprall mit dem Auto auf ein Tier, ist vorsichtige Fahrt immer noch der beste Weg. Angemessen fahren bedeutet, auf plötzliches Wild reagieren zu können! Der Bremsweg bei 80km/h und trockener Piste misst beispielsweise 50 bis 60 Meter. Besondere Gefahrenstellen und -zeiten sind:

-> dauerhafte Wildpfade, die durch Verkehrszeichen markiert sind
-> insbesondere zur Morgen- sowie Abenddämmerung
-> die variierenden Brunftzeiten (Damwild von Oktober bis November)
-> generell die dunklen Jahreszeiten (Herbst, Winter, Frühling)

Wie reagiere ich beim Wildunfall?

Wird Wild am Wald- oder Wiesenrand gesichtet, ist die Geschwindigkeit bereits zu reduzieren. Dummerweise rennt Wild in der Dunkelheit oft noch auf die blendende Lichtquelle zu. Kommt es so weit oder wechselt das Wild die Straßenseite, sollten riskante sowie hektische Ausweichmanöver vermieden werden. Das Fernlicht sollte abgestellt und die Hupe betätigt werden. Hilft alles nichts, gilt dennoch der Grundsatz aus der Fahrschule: Die Kollision mit dem Tier ist aus Eigenschutz sicherer, als mit einem Baum oder anderen Fahrzeug! In welche Richtung das Tier flüchtet, ist ohnehin nicht abschätzbar. Also Lenkrad fest festhalten und bremsen.

Teilschuld nach Vollbremsung?

Leider wird das Thema noch komplexer: Die Versicherungen muten dem Autofahrer im Schreckensmoment noch zu, einzuschätzen, wie groß das Tier ist. Bei kleineren Wildtieren wird nämlich von einer Vollbremsung abgeraten! Kommt es bei solch einer Aktion etwa zu einem Auffahrunfall, weil der nachfolgende Wagen das Kleintier übersehen hat, kann es dazu kommen, dass man eine Teilschuld tragen muss. Die Begründung: Wegen übereilter Vollbremsung wird grobe Fahrlässigkeit unterstellt.

Verhalten nach einem Wildunfall?

Nach einem Wildunfall erst einmal ruhig durchatmen. Dann auf keinen Fall von der Unfallstelle entfernen. Es handelt sich zwar nicht um Fahrerflucht, verstößt aber gegen das Tierschutzgesetz, sollte das Tier noch leben. Also Warnweste tragen, Unfallstelle mit Warndreieck absichern und die Polizei anrufen, um den Unfall zu melden. Dieses Vorgehen gilt auch, wenn sich das „nur“ verletzte Tier aus dem Staub gemacht hat. Helfen Sie auf keinem Fall selbst den Tieren, auch wenn es schwer fällt! Auch das Tier mitzunehmen, egal wohin, ist unter dem Tatbestand der Wilderei strafbar. Nach einem Wildunfall sind ausschließlich Fachleute zuständig. Zudem sollte man sich den Wildunfall beim Jagdpächter oder Förster bescheinigen lassen. Das ist nützlich, da der Wildunfall ggf. mit Ort und Zeit bei der Versicherung bestätigt werden muss. Für die meisten ist das überhaupt das ärgerlichste: Die Versicherung beim Wildunfall.

Zahlt die Versicherung den Wildunfall?

Für den bei einem gemeldeten Wildunfall entstandenen Schaden am Auto kommt nicht zwingend der Jagdpächter auf. Ebenso ist es nicht rechtens, dass der Jagdpächter eine Gebühr zur Entsorgung des Kadavers verlangt. Da Wild als herrenlos gilt, kann auch kein Schadensersatzanspruch für das Wildtier geltend gemacht werden. Für den weiteren Schaden am Auto ist ansonsten meist die Teil- oder Vollkaskoversicherung zuständig, die Wildunfälle von Auto und sogenanntem „Haarwild“ abdeckt. Nicht dazu zählen wie erwähnt Nutztiere oder kleinere Nager wie Hasen und Marder. Hier kann es nach Weisung der Versicherung zu einer Selbstbeteiligung am Wildunfall kommen, je nach den Umständen des Unfalls und dem Schaden am Auto. Unfälle mit Seehunden sind aber wiederum auch durch die Teilkaskoversicherung abgedeckt. Die Vollkasko schützt meist generell vor allen Tierarten bzw. einem Wildunfall unabhängig der Tierart.

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