Kampf gegen hohe Dispozinsen: Was bringt das neue Gesetz?

(foto) Bei Dispozinsen müssen Kunden genau rechnenVerweigert die Waschmaschine ihren Dienst oder gibt das Auto den Geist auf, geraten Bankkunden schneller in den Dispokredit, als es ihnen lieb ist. Denn dann warten horrende Dispozinsen. Vor diesen soll ein neues Gesetz nun schützen. Doch was haben Kunden tatsächlich davon?

Mitte Juli hat die Bundesregierung den Weg für ein neues Gesetz geebnet, mit welchem gegen die überhöhten Dispozinsen in der Bundesrepublik vorgegangen werden soll. Grundsätzlich ist das eine gute Idee, allerdings bleibt die Frage, ob Bankkunden davon wirklich profitieren können.

Dispozinsen in keinem Verhältnis zum Guthabenzins

Wer spaßeshalber einen Girokonto-Vergleich durchführt, der wird feststellen, dass die Dispozinsen einiger Banken noch immer in keinem Verhältnis zu deren Haben-Zinsen stehen. So bietet beispielsweise die Wüstenrot Bank ihr Top Giro mit einem Zinssatz von 0,00 Prozent an, während die Dispozinsen satte 11,09 Prozentpunkte betragen. Ganz ähnlich verhält es sich beim Giro plus der Postbank mit 0,00 Prozent Guthabenzins dafür aber 10,95 Prozent Dispozinsen. Noch immer sind Dispozinsen in Höhe von zehn Prozent oder mehr keine Seltenheit.

Neues Gesetz soll Kunden vor hohen Dispozinsen schützen

Doch die große Koalition hat diesem Ungleichgewicht nun den Kampf angesagt und will mit einer neuen gesetzlichen Regelung die Bankkunden vor den horrenden Dispozinsen bewahren. Dieses beinhaltet zwei Bereiche: So sieht es zum einen vor, dass Banken ihre Dispozinssätze künftig offen darlegen – gewissermaßen wie auf Preisschildern im Supermarkt. Damit sollen die Dispozinsen vergleichbar werden. Zum anderen sollen Kunden, die tief im Minus stecken, in Zukunft automatisch eine Beratung von ihrer Bank bekommen. In dem Beratungsgespräch können sodann Möglichkeiten eruiert werden, wie sie aus der Dispo-Klemme wieder herauskommen.

Gesetz gegen horrende Dispozinsen hat Schwachstellen

Experten sehen in der neuen Regelung vor allem das Problem, dass Banken an dieser Schuldnerberatung nichts verdienen. Im Gegenteil: Indem Banken ihren Kunden günstigere Alternativen aufzeigen, verlieren sie das lukrative Geschäft mit den Dispozinsen. Zudem sollen die Ergebnisse des neuen Gesetzes erst in fünf Jahren geprüft werden. Damit ist für viele abzusehen, dass die Banken ihre Kunden auch weiterhin mit überhöhten Dispozinssätzen schröpfen werden.
Außerdem haben in der Vergangenheit etliche Banken eine entsprechende Schuldnerberatung genutzt, um ihren Kunden Ratenkredite mit teuren und darüber hinaus unnötigen Restschuldversicherung zu verkaufen. Unterm Strich kamen die betroffenen Kunden dann teurer als mit dem Dispokredit. Das Gesetz kann schwerlich garantieren, dass diese Praxis der Banken nicht fortgesetzt wird.

Grundsätzlich sind die Bemühungen seitens der Bundesregierung sicherlich begrüßenswert. Nichtsdestotrotz müssen sich Bankkunden wohl auch in Zukunft selbst weiterhelfen. So können sie etwa durch einen Kreditvergleich einfach und schnell günstigere Alternativen zum Dispokredit finden und das ohne kostenintensive Restschuldversicherungen.

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