Verbraucherschutzministerium warnt vor hohen Dispozinsen

hohe Dispozinsen für KontoüberziehungEine Studie des Verbraucherschutzministeriums bestätigt einen Verdacht, den viele Bankkunden schon seit Längerem hegen: Bei überzogenen Konten verlangen Geldinstitute viel zu hohe Zinsen für Dispokredite. Durchschnittlich 12,4 Prozent Zinsen werden für das Überziehen des Kontos fällig.

Die Erträge aus dem Geschäft mit Dispozinsen liegen laut den Autoren der Studie höher als die Kosten, die der Bank für dieses Produkt entstehen. Die Summe werde offenbar zur Gewinnsteigerung oder zur Quersubventionierung anderer Leistungen benutzt. In einer Untersuchung der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2011 lag der Dispozinssatz bei der nordrhein-westfälischen Volksbank Randerath-Immendorf mit 18,25 Prozent am höchsten. Der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei 12,4 Prozent. Allerdings können die Geldinstitute auch mit einem Zinssatz von zehn Prozent profitabel arbeiten, wie eine Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen und des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung belegt.

Steigende Zinnsätze ungerechtfertigt

Die Banken rechtfertigen sich damit, dass sie das Geld für die Absicherung des Ausfallrisikos und die Deckung der hohen Kosten benötigen. Dieses Argument wird nun jedoch durch die Studie des Verbraucherschutzministeriums widerlegt. Während bei normalen Konsumkrediten das Ausfallrisiko 2,5 Prozent beträgt, liegt es bei Dispokrediten nur bei 0,3 Prozent. Zudem hat sich der Verwaltungsaufwand in den vergangenen Jahren nicht erhöht, die Zinsen sind dennoch gestiegen.

Mehr Transparenz gefordert

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unter Ministerin Ilse Aigner plant laut ersten Angaben dennoch keine Gesetzesinitiative. Diese würde einerseits bislang günstige Geldinstitute dazu animieren, die Zinssätze anzuheben. Andererseits würden einige Banken laut Aigner die entgangenen Einnahmen durch die Anhebung andere Gebühren, beispielsweise für Überweisungen oder die Kontoführung, finanzieren. Stattdessen soll die Transparenz erhöht werden. Aigner rät Bankkunden außerdem dazu, sich aktiver mit der Höhe der Dispozinsen zu beschäftigen.

Dispokredit wird häufig genutzt

80 Prozent der deutschen Haushalte haben mit ihrer Bank einen Dispokreditrahmen vereinbart. Das Limit liegt in der Regel doppelt so hoch wie das monatliche Nettoeinkommen. Innerhalb dieses Rahmens fallen Dispozinsen an, wer jedoch das vereinbarte Limit übersteigt, muss noch höhere Überziehungszinsen zahlen. Etwa jeder sechste Haushalt nutzt den Dispokredit regelmäßig.

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