Warum Dispozinsen bald vergleichbar werden könnten

(foto) Neuer Gesetzentwurf zur Vergleichbarkeit der Dispozinsen wird in Berlin vorgelegtSchon seit geraumer Zeit sind die unverhältnismäßig hohen Dispozinsen aufs Girokonto sowohl Verbraucherschützern als auch der Regierung ein Dorn im Auge. Denn Banken verlangen weiterhin Dispozinsen im zweistelligen Bereich während es auf Girokonto, Sparbuch und Co. mitunter keine Zinsen mehr gibt. Ein Gesetzentwurf soll nun Abhilfe schaffen.

Bereits des Öfteren war seitens der Politik das Versprechen zu hören, gegen die von den Banken erhobenen Dispozinsen gesetzlich vorzugehen. Mit einem neuen Gesetzentwurf, den Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) in der kommenden Woche vorlegen will, soll zumindest der erste Schritt in diese Richtung gemacht werden. Wer jetzt allerdings glaubt, dass die lang ersehnte Deckelung der Dispositionszinsen kommt, der wird enttäuscht werden. Der Entwurf zielt nämlich auf die Vergleichbarkeit der Dispozinsen der einzelnen Banken ab.

Wie rechtfertigen Banken die immensen Dispozinsen?

Die Zinsen für das Girokonto liegen im Schnitt bei deutlich unter einem Prozent, bei den meisten Banken gibt es sogar überhaupt keine Verzinsung mehr. Demgegenüber lassen sich noch immer Dispositionszinsen von elf Prozent und mehr finden – ist das nicht unverhältnismäßig? Das kommt wohl darauf an, wen man fragt: Banken argumentieren, dass ein Dispo schließlich nicht als langfristiger Kredit angedacht sei und man folglich dessen Zinsen nicht etwa mit denen eines Ratenkredites vergleichen könne. Zudem spiegele sich in den Zinsen die hohe Flexibilität des Dispokredits wider, immerhin handele es sich hierbei um ein Angebot, welches kurzfristig in Anspruch genommen werden könne. Darüber hinaus werde der Dispo ohne Sicherheiten sowie zusätzliche Prüfungen gewährt, womit er verständlicherweise teurer würde.

Eine etwas andere Sichtweise vertritt sicherlich der Rest der Welt. Immerhin spricht vieles dafür, dass Banken deswegen derart hohe Dispozinsen erheben, weil sie schlicht und ergreifend gezahlt werden – sprich die Zinsen fungieren als lukrative Einnahmequelle. Denn wer sucht schon sein Girokonto nach der Höhe der Dispositionszinsen aus? Und ist man erst einmal bei einer Bank, gestaltet sich ein Wechsel schon recht aufwendig.

Gesetzentwurf: Dispozinsen sollen vergleichbar werden

Dass die Höhe der Dispozinsen in keiner Relation zur „normalen“ Verzinsung steht, ist der Regierung schon länger bewusst, doch entsprechende Regulierungen sind bislang ausgeblieben. Justizminister Heiko Maas wird nun ein Entwurf ins Kabinett bringen, welcher den Banken anordnet, ihre Dispozinsen wenigstens im Internet bekannt zu geben. Zwar machen das viele Banken bereits, jedoch vorwiegend kleinere Institute, bei denen die Dispositionszinsen nicht selten besonders hoch sind, üben sich häufig in Geheimhaltung.
Ziel des neuen Gesetzes soll sein, dass die Dispozinsen aller Banken demnächst verglichen werden können und dass dies wiederum den Wettbewerb anheizt, wodurch folglich die Dispositionszinsen sinken.

Nicht nur Dispozinsen sind entscheidend

Die große Preisfrage ist natürlich, inwieweit das Gesetz den Verbrauchern zum Vorteil gereicht. Schließlich sollten bei der Wahl des Girokontos nicht nur die Dispozinsen entscheidend sein. Immerhin gibt es Banken mit vergleichsweise niedrigen Zinsen, die dann aber bei den Kontoführungsgebühren richtig zuschlagen. Wahrscheinlich wäre eine Deckelung der Dispozinsen über kurz oder lang sinnvoller, jedoch soll dieses Vorhaben im Kabinett bereits am Widerstand der CDU gescheitert sein. Geplant ist allerdings weiterhin, die Banken zu veranlassen, ihre Kunden zu warnen, sobald diese in den Dispo abdriften und ihnen gegebenenfalls anzubieten, dass sie ihren Dispokredit mit einem günstigen Ratenkredit ablösen können. Eine Bank hat dies auch bereits eingeführt, so warnt die ING-Diba schon länger vor teuren Dispozinsen.

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