Altersvorsorge: Warum die Lebensversicherung kaum lohnt

(foto) Bei der Lebensversicherung geht es auch bergabUm in der heutigen Zeit einen guten Weg zur sicheren Altersvorsorge zu finden, müssen sich Verbraucher ganz schön ins Zeug legen. Für viele Deutsche gehört die Lebensversicherung nach wie vor zum wichtigsten Pfeiler der privaten Altersvorsorge. Doch in Anbetracht rückläufiger Erträge verliert auch diese zunehmend ihren Reiz.

Laut dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft gibt es derzeit rund 87 Millionen Verträge zur Lebensversicherung und somit noch mehr als Einwohner in Deutschland. Hierbei handelt es sich zumeist um Altverträge, die mitunter bereits Jahrzehnte laufen. Doch die umstrittene Frage lautet, ob es aktuell überhaupt lohnenswert ist, eine neue Lebensversicherung abzuschließen.

Argumente für die Lebensversicherung als Altersvorsorge

Ursprünglich ist die Lebensversicherung dazu angedacht, Angehörige finanziell abzusichern, sollte etwa der Hauptverdiener einer Familie versterben. Verbraucherschützer merken jedoch an, dass sich hierfür eine Risikolebensversicherung eher lohnt. Da diese lediglich im Todesfall leistet und keine Rückerstattung der gezahlten Beiträge erfolgt, ist sie ohnehin merklich günstiger als die kapitalbildende Lebensversicherung. Letztere kann hingegen ebenfalls zur Altersvorsorge dienen, wobei sich Versicherte die eingezahlten Beiträge zuzüglich der Zinsen entweder einmalig als Gesamtsumme auszahlen lassen oder diese kontinuierlich als Rente erhalten können.
Auf die Lebensversicherung wurde in den vergangen Jahren eine Verzinsung von vier Prozent garantiert. Allerdings wurde dieser Garantiezins für Neuverträge zu Beginn 2015 vom Bundesfinanzministerium auf 1,25 Prozent heruntergesetzt. Darüber hinaus können die Versicherungsunternehmen ihre Kunden in Abhängigkeit von der Wirtschaftslage sowie deren Erfolg bei entsprechenden Anlagestrategien freiwillig an Überschüssen beteiligen. Laut der Ratingagentur Assekurata lag die durchschnittliche Verzinsung – aus Überschussbeteiligung sowie Garantiezins – im letzten Jahr bei 3,54 Prozentpunkten. Diese soll allerdings 2015 auf 3,33 Prozent sinken. Nichtsdestotrotz kann sich das verglichen mit anderen Formen der Geldanlage durchaus sehen lassen.

Punkte gegen die Lebensversicherung als Altersvorsorge

Was Verbraucherschützer bei der Lebensversicherung bereits seit Jahren bemängeln, ist deren unzureichende Transparenz. Demnach könne kein Versicherungskunde tatsächlich nachvollziehen, was mit dessen Geld bei der Lebensversicherung passiert, moniert der Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten Axel Kleinlein.
Die sinkenden Zinsen machen diese Form der Altersvorsorge darüber hinaus natürlich immer unattraktiver. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 lag die laufende Verzinsung noch bei über sieben Prozent, während es derzeit weniger als vier Prozent sind.
Außerdem kritisieren Verbraucherschützer die geringe Flexibilität einer Lebensversicherung. So müssten Kunden bei der vorzeitigen Beendigung des Vertrages enorme Verluste in Kauf nehmen, wie die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein zu bedenken gibt.

Lebensversicherung zunehmend unter Druck

Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase geraten Lebensversicherer immer mehr in die Bredouille, denn sie können die Zinsen, welche sie ihren Versicherungskunden einst garantiert haben, kaum mehr erwirtschaften. Damit die Versicherungsunternehmen nicht irgendwann in die Zahlungsunfähigkeit geraten, werden sie von der Finanzaufsicht dazu veranlasst, eine Zinszusatzreserve anzuhäufen. Auf diesem Wege sorgen sie für die hoch verzinsten Altverträge vor.
Die Crux an dieser Sache ist: Je mehr Geld in den Reservetopf fließt, desto weniger Überschüsse können erzielt werden. Damit sind insbesondere diejenigen im Nachteil, die eine neue Lebensversicherung abschließen wollen. Denn diese müssen sowohl mit einem niedrigeren Garantiezins als auch mit einer geringeren Überschussbeteiligung rechnen.

Zahlreiche Versicherer bieten zwar sogenannte Hybridprodukte an, mit denen sich die Lebensversicherung mehr lohnen soll, wer allerdings diese als Altersvorsorge nutzen möchte, der sollte sich das ganz genau überlegen.

Das könnte Sie noch interessieren:

Tags: , , , , , ,

Unsere Autoren

Eine Antwort zu “Altersvorsorge: Warum die Lebensversicherung kaum lohnt”

  1. Matthias Wühle sagt:

    Zwar ist es richtig, dass Kunden bei einer vorzeitigen Kündigung hohe Verluste in Kauf nehmen müssen. Doch daran allein sollte man nicht die Flexibilität der Lebensversicherung festmachen. Alternativ zur Kündigung kann man die Police auch auf dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen verkaufen, wo Unternehmen wie z.B. Policen Direkt Kaufpreise über Rückkaufswert zahlen. Durch Weiterführung der Police seitens des Investors bleibt dem Verkäufer außerdem ein beitragsfreier Rest-Versicherungsschutz erhalten.

Kommentar schreiben

Service Line

  • Wir beraten Sie gerne persönlich
  • 0800 - 589 589 0