Die Lebensversicherung auf dem Prüfstand

(Bild) LebensversicherungIn einem aktuellen Test der Lebensversicherungen nahm das Finanzmagazin Euro die deutschen Lebensversicherer genau unter die Lupe. Trotz niedriger Zinsen und neuer Richtlinie stehen die meisten Versicherungsunternehmen auch längerfristig gut im Kurs, aber eben nicht alle. Außerdem gab es clevere Tricks.

Versicherungsunternehmen unter Druck

„Ich bin mir nicht sicher, ob es alle Versicherer schaffen werden.“ – Mit diesen Worten vor der Studentenschaft der Universität Frankfurt sorgte Felix Hufeld, Exekutivdirektor der Finanzaufsicht BaFin, für Empörung und Besorgnis zugleich. Der Versicherungsaufseher gab bei der Veranstaltung zu bedenken, dass manche Unternehmen dem politischen und wirtschaftlichen Druck künftig nicht mehr gewachsen sein könnten. Damit spielte er wohl vor allem auf die neue EU-Richtlinie „Solvency II“ an. Diese schreibt vor, dass sich Versicherungsunternehmen in Zukunft mehr Eigenkapital aufzubauen haben, damit sie für gesellschaftliche Schwankungen gewappnet sind. Doch in Anbetracht des derzeitig niedrigen Zinsniveaus sowie dementsprechend geringer Gewinne aus Kapitalanlagen könnte dieser Aufbau potentiell nicht allen Versicherungsunternehmen gelingen. Im selben Atemzug legte Hufeld jedoch dar, dass durch „Solvency II“ keine unmittelbare Gefahr anstehe. Immerhin haben die neuen Regelungen erst ab 2016 Gültigkeit und darüber hinaus wird den Versicherern ein Puffer von 16 Jahren gewährt, in dem sie diese Richtlinien gänzlich umsetzen müssten.

Kein Grund zur Sorge

Unmittelbar oder nicht – für Versicherungskunden wäre es natürlich sehr hilfreich zu wissen, ob sie auch in zehn bis 15 Jahren noch etwas von ihrer Lebensversicherung haben. Doch zu der Frage, welche Unternehmen dies betreffen könnte, hielt sich die BaFin bedeckt. Die BaFin-Chefin Elke König äußerte lediglich, dass niemand mit Genauigkeit vorhersagen könne, wer oder wie viele Versicherer gefährdet seien.

Doch bereits jetzt kann anhand einiger Informationen aus den öffentlichen Datenbanken der BaFin abgewogen werden, welche Anbieter kurz- bis mittelfristig Stabilität gewährleisten können. Demnach schneidet im Test keines der 77 untersuchten Versicherungsunternehmen schlechter als „befriedigend“ ab. Dies bedeutet eine recht hohe Zuverlässigkeit und sollte Versicherungskunden wieder durchatmen lassen.

Allianz setzt sich wieder an die Spitze

Im Test wurden die Kriterien „Finanzkraft“, „Leistungen“, „Kundenzufriedenheit“, „Bestandssicherung“ sowie „Performance“ untersucht und entsprechend gewichtet. Teilweise stammten die herangezogenen Daten von der Versicherungsratingagentur Assekurata. Der Branchenriese Allianz konnte sich erneut an die Spitze setzen. Rang zwei belegte die Debeka gefolgt von der Europa, der Hannoverschen und der LVM.

Lebensversicherung kündigen?

Wer trotz des künftig geringen Risikos seine Kapitallebens- oder Rentenversicherung oder auch die als Altersvorsorge steuerbegünstigte Lebensversicherung kündigen möchte, weil er eventuell nicht zufrieden ist, kann dies jederzeit tun. Je länger allerdings der Vertrag schon läuft, desto höhere Verluste muss der Kunde bei Kündigung in Kauf nehmen. Wer ganz auf Nummer sicher gehen möchte, sollte den Versicherungsvertrag einem Versicherungsmathematiker zur Überprüfung vorlegen. Dieser ist mit 150 Euro Honorar zugegebenermaßen nicht ganz günstig, jedoch ohne Frage hilfreich bei der Entscheidung.

Anstatt einer Kündigung gibt es noch zahlreiche andere Möglichkeiten mit der Lebensversicherung zu verfahren. So kann der Vertrag beispielsweise beitragsfrei gestellt werden. Dabei müssen keine Beiträge entrichtet werden, das bislang angesparte Vermögen wird aber weiter verzinst. Sollte an den Versicherungsvertrag allerdings ein Berufsunfähigkeitsschutz gekoppelt sein, verfällt dieser. Eine weiterer „Trick“ wäre die Teilkündigung, wobei sowohl die Beiträge als auch der Versicherungsschutz reduziert werden. Eines sei indes zu beachten: Der Vertrag wird in diesem Fall auf einem sichtbar höheren Niveau weitergeführt als bei der Komplettfreistellung. Auch eine Verbilligung oder gar Beleihung des Versicherungsvertrages wären mögliche Alternativen. Hierbei empfiehlt es sich, vorher entsprechende Informationen einzuholen und diese Entscheidung zusammen mit dem Versicherungsteam ausführlich zu erörtern, bevor sie endgültig getroffen wird. Ansonsten kann auch die Lebensversicherung steuerbegünstigt als Altersvorsorge genutzt werden.

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