Lebensversicherung: Bei Widerruf Geld zurück

(foto) Nach dem Recht suchen: Lebensversicherung widerrufenLange Zeit galt sie als wichtigster Baustein der privaten Altersvorsorge. Doch die Lebensversicherung wird aufgrund niedriger Zinsen immer unattraktiver. Aus diesem Grund haben bereits zahlreiche Versicherte ihre Verträge gekündigt, mussten dabei aber teils erhebliche finanzielle Einbußen in Kauf nehmen. Es gibt jedoch eine lukrativere Alternative.

Laut Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft kündigten Verbraucher im vergangenen Jahr Policen zur Lebensversicherung im Wert von 14,86 Milliarden Euro. Im Vergleich zu den Zahlen aus 2013 entsprach der Anstieg ungefähr einem Prozent.
Doch Verbraucherschützer raten von vorzeitigen Kündigungen der Lebensversicherung ab, da ein Großteil der eingezahlten Beiträge dabei verloren gehen.

Kündigung der Lebensversicherung: Alternative Widerruf

Wer seine Lebensversicherung kündigt, muss mit erheblichen Verlusten rechnen. Denn Versicherte erhalten bei Kündigung lediglich einen Rückkaufswert von der Bank, welcher bei weitem nicht den bereits erbrachten Investitionen entspricht. Viele Versicherte beißen jedoch in den sauren Apfel, weil sie genauso wenig einsehen, weiterhin Beiträge für eine Versicherung zu bezahlen, die unterm Strich keine Rendite bringt, denn die Lebensversicherung lohnt kaum noch zur Altersvorsorge. Doch für viele Lebensversicherte gibt es noch einen anderen Weg: der Widerruf. Mit diesem können sich Kunden nicht nur die gezahlten Beiträge und Provisionen zurückholen, sondern sich ebenfalls die Gewinne sowie Verzinsungen sichern.
Möglich wird dies durch eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH) aus dem vergangenen Jahr. Der BGH fällte im Mai 2014 das richtungsweisende Urteil, nach welchem unzureichende oder fehlerhafte Widerrufsbelehrungen seitens der Versicherer dazu führen, dass das Widerrufsrecht nicht verfristet wird. Damit wurde die Voraussetzung zur Rückabwicklung von Lebensversicherungen geschaffen.

Lebensversicherung: Widerrufsbelehrung fehlerhaft

Der BGH stellte im letzten Jahr fest, dass Versicherungsgesellschaften ihren Lebensversicherungen in der Regel entweder überhaupt keine oder aber rechtlich unzureichend korrekte beziehungsweise schlichtweg fehlerhafte Widerrufsbelehrungen beigefügt haben. In solchen Fällen wird die Frist zum Widerruf nicht in Gang gesetzt, woraus wiederum folgt, dass eine Lebensversicherung auch nach Jahren noch widerrufen werden kann. Für gewöhnlich ist das bei Versicherungsverträgen lediglich innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsabschluss möglich.

Für welche Lebensversicherungen gilt das Urteil?

Die Entscheidung des BGH gilt lediglich für Versicherungsverträge, welche zwischen den Jahren 1995 sowie 2007 abgeschlossen wurden. Denn danach wurde das Versicherungsvertragsgesetz zusammen mit den entsprechenden Widerrufsregelungen reformiert. Wer somit vor dem 1. Januar 2008 eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, sollte überprüfen, ob die Voraussetzungen für den Widerruf und folglich für die Rückabwicklung des Vertrages gegeben sind.
Dabei muss kontrolliert werden, ob sämtliche vom Versicherer ausgehändigten Unterlagen vollständig sowie ordnungsgemäß sind. Stellen Versicherungsnehmer fest, dass die Papiere nicht rechtlich korrekt vorliegen, haben sie die Option, ihren Vertrag zur Lebensversicherung rückabzuwickeln.

Eine Rückabwicklung der Lebensversicherung ist insofern vorteilhaft, als sämtliche Prämien, Provisionen und Gebühren zurückerstattet werden können. Und nicht nur das: Das Urteil des BGH umfasst sogar den Anspruch auf Zinszahlungen auf die geleisteten Beiträge zur Lebensversicherung.

Das könnte Sie noch interessieren:

Tags: , , , , ,

Unsere Autoren

3 Antworten zu “Lebensversicherung: Bei Widerruf Geld zurück”

  1. Wolz sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Ihr Artikel ist in einer fahrlässig zu nennenden Weise irreführend weil er nicht darauf hinweist, dass die Versicherungen im Falle einer Rückabwicklung die Kosten für den gewährten Versicherungsschutz einbehalten dürfen und dies auch tun. Das kann durchaus dazu führen, dass die Kosten für den Versicherungsschutz die Höhe der einbezahlten Prämien übersteigen und der Versicherte sein Geld los ist. Grund: Die Berechnungsgrundlage für den gewährten Versicherungsschutz ist bislang rechtlich noch nirgends geklärt.

    Mit freundlichen Grüßen

  2. Manfred sagt:

    Ein sehr lesenswerter Artikel. Ich bin mir nicht sicher, ob Wolz mit seiner Aussage richtig liegt, dass Kosten zurückbehalten werden dürfen. Das wäre wirklich ärgerlich.

  3. Sascha Wortmann sagt:

    Der Widerrufs-Joker bei Lebens- und Rentenversicherungen ist ein sehr guter Weg, Policen aufzulösen und sich die gesamten gezahlten Gelder zurückerstatten lassen, zuzüglich einer Nutzungsentschädigung dafür, dass die Gesellschaft mit den Beiträgen des Kunden selbst Geld verdient hat. Und die Kritik, dass die Gebühren für den Rechtsschutz die mögliche Rückzahlung überschreite, ist so nicht haltbar. Wir setzen zur finanziellen Absicherung des Widerrufs eine kurzlaufende Rechtsschutzversicherung für unsere Kunden ein und decken damit die Anwaltskosten. Das wirkt sich wenn überhaupt nur marginal auf die Rückzahlung aus. Die Widerrufsmöglichkeit gilt auch für Verträge, die bereits gekündigt, beitragsfrei gestellt oder bei Vertragsende bereits ausgezahlt worden sind. Das betont auch die Verbraucherzentrale.

Kommentar schreiben

Service Line

  • Wir beraten Sie gerne persönlich
  • 0800 - 589 589 0