Arm dank fehlender Krankenversicherung

Acht bis zehn Stunden Arbeit am Tag, fünf Tage die Woche erbringen einen Lohn, der einen selbst und die eigene Familie gerade so über Wasser halten kann. Wohl dem, der es schafft da gesund zu bleiben. Denn der Gang ins Krankenhaus, sei es auch nur wegen einer „Kleinigkeit“ die ausreicht mehrere Tage nicht arbeiten zu können, kann schon direkt in die Schuldenfalle führen. Zumindest wenn man allein für das Betreten, beziehungsweise das Behandeltwerden eine Pauschale von umgerechnet 400 Euro bezahlt. Unvorstellbar? Nun, in anderen Ländern ist dies Alltag – in den Vereinigten Staaten zum Beispiel. Im Gegensatz dazu scheint unsere Pflichtversicherung geradezu Luxus zu sein.

Dass die Krankenversicherung essentiell ist, das macht auch der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichte Weltgesundheitsbericht noch einmal deutlich. Laut diesem fallen weltweit etwa 100 Millionen Menschen unter die Armutsgrenze, nur weil sie nicht Krankenversichert sind. Aufgrund dieser Tatsache stehen jedes Jahr zudem über 150 Millionen direkt vor dem finanziellen Ruin. So ist über die Hälfte der Weltbevölkerung (in Zahlen: mehr als 3,5 Milliarden Menschen) nicht krankenversichert und nur ein Fünftel hat die erforderlichen finanziellen Mittel, beziehungsweise ist gegen diese Kosten abgesichert, die für eine ausreichende medizinische Versorgung notwendig sind.

WHO drängt auf Erfüllung der Milleniumsziele

Diese Finanzierungslücke in der Gesundheitsversorgung sei vor allem in den Entwicklungsländern ein Problem. Dort mangele es häufig an der ausreichenden Verfügbarkeit von Behandlungsressourcen, so der Bericht. Jedoch beschränkt sich dieses nicht ausschließlich auf die Entwicklungsländer, auch in hoch entwickelte Staaten haben Menschen mit der Finanzierung ihrer Gesundheitsversorgung zu kämpfen. So zum Beispiel in den USA, wo viele Menschen gerade deshalb hoffnungslos überschuldet sind, weil sie ihre eigenen Behandlungskosten nicht selber tragen können. Weltweit betrachtet seien die vorhandenen Mittel für die Gesundheitsversorgung „ineffizient und ungerecht“ eingesetzt, was zur Verschwendung von 20 bis 40 Prozent der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel führe, heißt es weiter.

Die WHO ruft deshalb die internationale Gemeinschaft dazu auf, dass die Umsetzung der Milleniumsziele schleunigst vorangetrieben werden soll. Diese wurden im Jahr 2000 beschlossen und deren Umsetzung für 2015 geplant. Sie beinhalten die Bekämpfung von extremer Armut und Hunger, die Sicherstellung einer allgemeinen Primärschulbildung, die Gleichstellung der Geschlechter, die Senkung der Kindersterblichkeit, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung (vor allem von Müttern), die Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen schweren Krankheiten, die Umsetzung des Maxims der ökologischen Nachhaltigkeit und der Aufbau einer globalen Partnerschaft für Entwicklung.

Entwicklungsländer: 60 Dollar pro Kopf für stabiles Gesundheitssystem

Der Bericht rechnet vor, dass die Entwicklungsländer zum Aufbau und Betrieb einer eigenen, grundlegenden Gesundheitsversorgung bis 2015 circa 60 Dollar pro Einwohner benötigen würden. „Die internationale Gemeinschaft wird die eigenen Anstrengungen der ärmsten Ländern finanziell unterstützen müssen“, so der mahnende Ton der Weltgesundheitsorganisation. „Doch selbst Länder, die derzeit mehr als das geschätzte Minimum ausgeben, dürfen in ihren Bemühungen nicht nachlassen und sollten für mehr Effizienz in ihren Gesundheitssystemen sorgen.“

Am heutigen Nachmittag wird im Rahmen einer internationalen Ministerkonferenz das Thema der Finanzierung von Gesundheitssystemen besprochen. Von deutscher Seite wird neben Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) auch Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) anwesend sein. Weiterhin wird die Leiterin der WHO, Margret Chan, sowie über 30 weitere Minister aus rund 50 Ländern an der Beratung teilnehmen. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP erklärte sie, dass niemand, der medizinische Hilfe nötig habe im finanziellen Ruin enden sollte. Niebel sprach davon, dass „Hilfestellungen beim Ausbau von Gesundheitssystemen in ärmeren Ländern einer der Schlüsselsektoren der deutschen Entwicklungspolitik bleiben wird.“ Dafür stelle die Bundesregierung jährlich rund 500 Millionen Euro zur Verfügung. Rösler bezeichnete das deutsche Gesundheitssystem als ein „Vorbild“ und als „wesentliche Grundlage für sozialen Zusammenhalt, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Wohlstand.“

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