IGeL: Sind die Zusatzleistungen sinn- und wirkungslos?

Bild IGeL-Leistungen auf dem PrüfstandIGeL-Leistungen sind seit jeher ein Zankapfel zwischen Krankenkassen und Ärzten, Patienten dagegen stehen den Zuzahler-Angeboten oftmals ratlos gegenüber. Im aktuellen IGeL-Monitor wird deutlich, dass die Leistungen zwar gefragt sind, sich aber nicht jeder dabei gut beraten fühlt.

IGeL-Monitor: viel Interesse, wenig Beratung

Die gesetzlichen Krankenkassen üben Kritik an Ärzten und deren Leistungen, denn zwar nehmen laut IGeL-Monitor vom Juli 2016 etwa 28 Prozent der Patienten das IGeL-System in Anspruch, drei Viertel fühlen sich aber nur unzureichend über die Schäden informiert, die durch einzelne Behandlungsformen ausgelöst werden können. Grund genug für den Medizinischen Dienst des Bund der Krankenkassen (MDS) gegen die Zusatzleistungen und diejenigen, die an ihnen verdienen, zu schießen. Allen voran Frauen-, Augen- und Hautärzte, aber auch Urologen und Orthopäden würden IGeL-Leistungen ihren Patienten anbieten. Insgesamt eine Milliarde Euro flössen in die Taschen der Ärzte, so MDS-Geschäftsführer Peter Pick, der die Zahlen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO) zitiert.

Diese IGeL-Leistungen bringen etwas

Welche IGeL-Angebote medizinisch wirksam sind, darüber scheiden sich naturgemäß die Geister. So stuft der IGeL-Monitor, der vom MDS finanziert wird, von bisher 41 bewerteten IGeL-Leistungen lediglich drei als tendenziell positiv ein:

● Akupunktur zur Migräneprophylaxe

● Lichttherapie bei saisonal depressiver Störung („Winterdepression“)

● Stoßwellentherapie beim Fersenschmerz

Alle anderen Zusatzangebote, so auch die professionelle Zahnreinigung oder Akupunktur in der Schwangerschaft werden als unklar oder tendenziell negativ bewertet. Das hängt nicht unbedingt mit der fehlenden Wirksamkeit der einzelnen Maßnahmen zusammen, sondern eher mit der schlechten Studienlage. Gibt es nicht genügend Belege für eine medizinische Wirkung, reicht dass allein schon für die Bewertung „unklar“. Für die Einstufung als tendenziell negativ genügt es, dass es bei manchen Patienten zu ungewünschten Nebenwirkungen kommt, obwohl auch positive Effekte zu verzeichnen sind. Der IGeL-Monitor und seine Einstufungen sollten Patienten daher als Orientierungshilfe dienen, denn ob eine medizinische Wirksamkeit im individuellen Fall gegeben ist, kann am besten noch der behandelnde Arzt einschätzen.

IGeL unter Generalverdacht

Während die Krankenkassen den Ärzten in vielen Fällen mangelnde Beratung vorwerfen, weist die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) den Generalverdacht gegenüber den IGeL-Leistungen zurück. Zudem bewerten die Ärzte es als schwierig, dass manche Krankenkassen zum Teil IGeL-Leistungen im Portfolio hätten, andere wiederum nicht. Hier hilft nur ein Vergleich der gesetzlichen Krankenversicherung und ihrer Zusatzleistungen. Je nach Tarif sind bestimmte Leistungen bereits inkludiert. Generell gilt: Ein guter Arzt kann zur Beratung über die IGeL-Leistungen auch entsprechendes Infomaterial beilegen und lässt dem Patienten ausreichend Bedenkzeit. Wer privat versichert ist, sollte sich zudem nicht sofort auf ein medizinisches Zusatzangebot versteifen, sondern einen Kostenvoranschlag des Arztes an seine PKV weiterreichen. Diese entscheidet von Fall zu Fall, welche Leistung sie übernimmt, es sei denn, diese ist vertraglich festgeschrieben. Auch hier ist es hilfreich, die privaten Krankenversicherungen und ihre Tarifkombinationen zu vergleichen, um das beste Versicherungsangebot zu erhalten.

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