Welche Versicherungen braucht der Mensch? Teil 2: Die Krankenversicherung

Eigentlich müsste die Überschrift für diesen Artikel lauten: Welche Versicherung MUSS der Mensch haben, denn nicht umsonst handelt es sich bei der Krankenversicherung um eine Pflichtversicherung. Im Fokus steht hier vor allem die gesetzliche Krankenversicherung (GKV), welche, ausgehend von Reichskanzler Otto von Bismarck, 1883 als nötige Versicherung für alle Arbeiter eingeführt wurde. Im Laufe der Zeit wurde sie auf alle deutsche Staatsbürger erweitert, die nicht selbstständig sind und mit ihrem monatlichen Bruttoeinkommen die sogenannte Versicherungspflichtgrenze von derzeit 4 125 Euro nicht überschreiten. Die Grundleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung sind, trotz der Anzahl von insgesamt 169 gesetzlichen Krankenkassen (2010), für alle Versicherungspflichtigen gleich. Diese umfassen neben den Grundaufgaben der Krankheitsdiagnose, -prävention, und -heilung, auch Rehabilitationsmaßnahmen sowie Empfängnisverhütung und Schwangerschaftsabbruch.

Alle Berufstätigen die mit ihrem Bruttoeinkommen über dieser Versicherungspflichtgrenze liegen, sowie alle selbstständige Unternehmer, können sich, alternativ zur gesetzlichen Krankenversicherung, privat versichern lassen. Dies geschieht bei privaten Krankenversicherungen (PKV), deren Hauptaugenmerk, anders als bei den gesetzlichen Versicherungen die die Gesundheit der Versicherten als oberste Prämisse haben, meist die Gewinnerzielung ist. Deren Beiträge richten sich auch nicht nach dem Einkommen wie bei den GKV, sondern nach den Kriterien Geschlecht, Eintrittsalter der versicherten Person, Berufsgruppe, Tariflichen Leistungen (zum Beispiel bei einer gewünschten Chefarztbehandlung) und dem Gesundheitszustand.

Privatversicherungen dürfen Sie ablehnen – die gesetzlichen Krankenversicherungen nicht

Sollten gewisse Vorerkrankungen vorhanden sein führt dies zu Risikozuschlägen, Leistungsstaffelung, Leistungsausschlüssen und sogar zur Ablehnung. Außerdem kann der Beitrag von der PKV jederzeit erhöht werden, etwa wegen allgemeinen Kostensteigerungen, Veränderung am Zins- und Kapitalmarkt oder Veränderungen der gesetzlichen oder steuerlichen Rahmenbedingungen. Neben den Nachteilen der relativ hohen Beiträge und einer gewissen Unsicherheit was deren Zukunftsentwicklung betrifft, profitieren Privatversicherte je nach Tarif von zum Beispiel Ein- oder Zweitbettzimmern bei stationären Behandlungen, freier Klinikwahl, alternativen Behandlungsmethoden und Medikamenten, Chefarztbehandlungen und Erstattungen bei Zahnersatz und Sehhilfen.

Neben diesen zwei großen Säulen der Krankenversicherung gibt es noch eine dritte, die als Zwischenstütze dient. Hierbei handelt es sich um private Zusatzversicherungen, die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen ergänzen. Diese machen durchaus Sinn, vor allem wenn man den Aderlass des gesetzlichen Leistungskatalogs in den letzten Jahren betrachtet. Ein Beispiel hierfür ist die Auslandskrankenversicherung. Für Familien ist sie als Zusatzpolice schon für 50 Euro im Jahr abschließbar. Diese deckt dann bei Auslandsreisen, auch im näheren europäischen Ausland, Arztbesuche und Rücktransporte im Kranken-, oder Todesfall ab, deren Kosten sich schnell auf über 10 000 Euro belaufen können. Die gesetzliche Krankenversicherung würde in solchen Fällen nicht zahlen.

Private Zusatzversicherungen können den gesetzlichen Leistungskatalog sinnvoll ergänzen

Auch alternative Behandlungsmethoden oder die oft gewählte Chefarztbehandlung lassen sich mit einer privaten Zusatzversicherung abdecken. Bei vorhandenen chronischen Krankheiten kann es jedoch auch hier zu einer Ablehnung kommen. Manchmal geht es aber auch ohne zusätzliche Versicherung: wird zum Beispiel bei einer stationären Behandlung ein Einbettzimmer gewünscht, dann ließe sich das auch privat abrechnen. Die meisten Krankenhäuser bieten für 50 bis 100 Euro extra pro Tag ein solches an. Sollte man sich für eine Zahnzusatzversicherungen entscheiden, macht es Sinn genau auf die Konditionen zu achten, denn oft wird bei Brücken, Kronen und Implantaten nur ein Teilbetrag gezahlt. Die restliche Summe kann immer noch eine starke Belastung für den eigenen Finanzhaushalt darstellen, der nicht unterschätzt werden sollte.

Wer sich im Alter nicht auf seine künftige Rente verlassen möchte, für den könnte eine private Pflegezusatzversicherung durchaus Sinn machen. Denn die Versorgung im Alter ist alles andere als billig: die Kosten eines Altersheimplatzes in der höchsten Pflegestufe (Pflegestufe III) belaufen sich auf durchschnittlich 2 700 Euro im Monat. Mit einer Pflegezusatzversicherung kann dieser Betrag auf rund 1 470 Euro gedrückt werden – was bei aktuellen Rentenzahlungen von durchschnittlich 1 000 Euro pro Person immer noch eine immense Last für das Vermögen darstellt. Wichtig ist bei dieser Versicherung vor allem, sie nicht zu spät abzuschließen, denn die monatlichen Beiträge steigen mit jedem Lebensjahr an. Deshalb: mindestens 20 Jahre im voraus planen.

Das könnte Sie noch interessieren:

Tags: ,

Unsere Autoren

Kommentar schreiben

Service Line

  • Wir beraten Sie gerne persönlich
  • 0800 - 589 589 0