Beleidigung im Straßenverkehr: Wie teuer ist der Stinkefinger?

Strafzettel wegen falscher GesteIm Straßenverkehr kann es ganz schön chaotisch zugehen. Doch so sehr die anderen Verkehrsteilnehmer manchmal auch nerven, zu einem sollten sich Autofahrer keinesfalls hinreißen lassen: Beleidigungen. Denn „Stinkefinger“, „Vogel Zeigen“ und sogar „Daumen hoch“ können richtig ins Geld gehen.

Notorische Drängler, Sonntagsfahrer und Blinkmuffel bringen die Emotionen hin und wieder ganz schön zum Brodeln. Nicht selten entgleitet dem Autofahrer dann die eine oder andere unschöne Geste. Wer nun meint, das Zeigen des Mittelfingers sei doch nicht weiter schlimm, der irrt gewaltig. Denn eine Beleidigung im Straßenverkehr ist ganz und gar kein Kavaliersdelikt. Unter Umständen drohen hohe finanzielle Belastungen – vor allem dann, wenn die Rechtsschutzversicherung nicht greift.

Beleidigung im Straßenverkehr gilt als Straftat

Einige kennen die Situation: Der Ärger hinter dem Lenkrad staut sich an, in einem unbedachten Augenblick wird die Tür aufgerissen und dem „Blödmann“ da vorn mal richtig die Meinung gesagt. Man fühlt sich besser – für den Moment, denn das dicke Ende kommt häufig nach und zwar vor Gericht. Immerhin ist eine Beleidigung, die im Straßenverkehr getätigt wurde, gemäß Paragraph 185 des Strafgesetzbuches eine Straftat, welche eine Geld- oder gar Freiheitsstrafe nach sich ziehen kann. Dies gilt zudem nicht nur für verbale Beleidigungen sondern auch für ausfällige Gesten.

Strafzettel: Stinkefinger kann bis zu 4.000 Euro kosten

Im Gegensatz zu Verkehrsverstößen wie falsch Parken oder Tempoüberschreiten gibt es für Beleidigungen verbaler und nonverbaler Art keinen verbindlichen Bußgeldkatalog, auch nicht gemäß des neuen Bußgeldkatalogs. Die Höhe der Strafe ergibt sich vielmehr aus den Tatumständen sowie dem Verdienst des Beschuldigten. Nichtsdestotrotz lässt sich anhand von bereits gefällten Urteilen durchaus abschätzen, wie tief ein Autofahrer für die eine oder andere Beleidigung in die Tasche greifen muss. Die Beschimpfung als „Trottel“ oder „Idiot“ kann demnach schon 1.000 beziehungsweise 1.500 Euro kosten. Wer hingegen auf nonverbaler Ebene mit dem „Stinkefinger“, dem „Vogel Zeigen“ oder der „Scheibenwischer-Geste“ beleidigt, der darf dafür zwischen 750 und bis 4.000 Euro hinblättern. Nicht schlecht, oder? Im übrigen gilt auch eine indirekte Aussage wie etwa „Am liebsten würde ich jetzt Trottel zu Dir sagen“ als Beleidigung. Noch kurioser ist aber: Auch ein „Daumen hoch“ wurde bereits als Beleidigung gewertet, ob nun missverstanden, falsch gesehen oder aus Böswilligkeit. Daher die Hände lieber dort hin, wo sie sein sollen: am Lenkrad.

Rechtsschutzversicherung zahlt nicht?

Richtig delikat wird es, wenn sich die Beleidigung im Straßenverkehr gegen einen Polizisten oder eine Politesse richtet. Da hierbei auch indirekt der Staat beschimpft wird, werden herablassende Äußerungen solcher Art besonders streng geahndet. In der Regel hilft bei einer Beleidigung im Straßenverkehr auch die Rechtsschutzversicherung nicht. Zwar ist eine Rechtsschutzversicherung durchaus richtig und wichtig, denn sie schützt den Versicherten vor enormen Kosten, die entstehen, wenn es vor Gericht geht. Dennoch deckt sie nicht zwangsläufig alles ab. So leistet die Rechtsschutzversicherung in der Regel nicht, wenn eine Tat vorsätzlich begangen wurde. Da es sich bei Beleidigungen – genauso wie bei Nötigungen und Unfallflucht – allerdings stets um Vorsatzdelikte handelt, nimmt sich die Rechtsschutzversicherung in solchen Fällen häufig aus der Verantwortung. Es gibt jedoch auch Versicherer, die eine eingeschränkte Deckungszusage erteilen. Hierbei behält sich die Rechtsschutzversicherung vor, geleistete Vorschüsse zurückzufordern, wenn es später zu einer Verurteilung wegen Vorsatzes kommt. Wird das Verfahren hingegen ohne Verurteilung eingestellt, muss die Rechtsschutzversicherung zahlen. Die genauen Versicherungsbedingungen legt jedes Versicherungsunternehmen individuell fest.

Fazit: Hinter dem Steuer sollten Autofahrer immer cool bleiben und eben auch hin und wieder nachgeben. Auf diese Weise sparen sie sich nicht nur eine Menge Ärger sondern mindestens ebenso viel Geld. Ansonsten hilft nur noch eine gute Rechtsschutzversicherung weiter.

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