Rechtsschutz 9: Irrtümer im Familienrecht

Familienrecht und RechtsschutzWenn es in der Familie zu einem Rechtsstreit kommt, ist dies besonders heikel, denn beteiligte leben nicht selten dicht beieinander und Emotionen spielen eine große Rolle. Umso hilfreicher ist es, einen professionellen Rechtsschutz zu haben. Wie leicht man sich als Laie irren kann, zeigen folgende Mythen aus dem Familienrecht – Teil 9 der Geld.de-Serie „Rechtsirrtümer“. Wer weiß zum Beispiel, dass Beischlaf gesetzlich verordnet ist?

Eltern und Kind

Das erste Beispiel für ein Familienrechts-Irrtum sollte sehr bekannt sein, denn es steht häufig auf einem Schild: „Eltern haften für ihre Kinder“. Was zur Aufsicht der Kinder mahnen soll, ist im Wortlaut nicht ganz stimmig. Tatsächlich haften Eltern stets nur für ihre eigenen Fehler und niemals für solche, auf die sie keinen Einfluss haben. Wer die Aufsichtspflicht verletzt, der muss also die Konsequenten tragen. Pauschal ist das drohende Schild allerdings nicht zu verstehen. Kinder können ab ihrem siebten Lebensjahr für Schäden belangt werden. Haften weder Eltern, noch Kind, dann bleibt der Schaden jedoch ohne Schuldigen und die Kosten trägt der Geschädigte.

Ähnlich ist es in finanziellen Fragen. Eltern müssen keinesfalls für die Kauf- und Finanzgeschäfte ihrer Kinder eintreten. Für Handyvertrag, Konto und andere Kaufgeschäfte bedarf es bei Minderjährigen der elterlichen Zustimmung, doch ist diese nicht gegeben und Vertragspartner schließen dennoch ein Geschäft mit dem Kind ab, begehen sie selbst den Fehler und müssen für aufkommende Schäden auch selber haften. Verschuldet sich das Kind, ist der Anbieter selbst Schuld, nicht die Eltern. Lediglich wenn eine Bürgschaft besteht, müssen die Eltern Schulden begleichen. Gleichfalls sind Eltern dazu verpflichtet, das Wohlergehen des Kindes zu sichern. Sich aufgrund der Rechtslage im Falle von Schulden aus der moralischen Verantwortung zu ziehen, klappt also nicht.

Die berüchtigte Ohrfeige ist verboten

Ein Klassiker alter Tage ist auch die Ohrfeige, die einer besonders harten Erziehung dient und zu gegebener Zeit in den besten Familien vorkommt. Allerdings ist die umstrittene Maßnahme seit 2000 gesetzlich verboten. Seither haben Kinder laut BGB ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung.

Die Ehe als Rechtsraum mit neuen Unterhaltsregeln

Behandelt man die Ehe unter juristischen oder finanziellen Fragen, verliert sie ihre eigentliche Bedeutung und ihren romantischen sowie freiwilligen Aspekt. Denn dass der Gesetzgeber den ehelichen Beischlaf regelrecht verordnet, läuft dem alltäglichen Verständnis einer Ehe entgegen. Laut BGB Paragraph 1353 fällt Sex jedoch unter die „Beischlafpflicht“. Und auch eine eheliche Treuepflicht besteht, sodass Fremdgehen keine Pflichterfüllung darstellt, sondern unter anderem einen Gesetzesverstoß. Zwangsweise lassen sich diese Pflichten vom Partner allerdings nicht einfordern. Lediglich der Verstoß kann finanzielle Nachteile bedeuten.

Dass nach einer Scheidung stets der Mann Unterhalt bezahlen muss, ist überdies auch nicht richtig. Seit Beginn des Jahres gelten neue Regeln für den Unterhalt, welche zwar weiterhin eine finanzielle Unterstützung für den finanzschwächeren Partner vorsehen, diese jedoch zeitlich enger begrenzen und kürzen. Wer mehrere Ex-Partner/innen hat, muss daher nicht für alle zahlen. Ähnlich ist es beim Sorgerecht: Die Mutter muss es nicht zwangsläufig erhalten. Nur bei unverheirateten Paaren ist dies der Fall.

Geschlossen werden kann eine Ehe vor dem Recht übrigens ausschließlich von einem Standesbeamten. Dass Kapitäne dies auf rechtsfreiem Raum übernehmen, ist zumindest nach deutschem Gesetz lediglich ein Mythos. Auch der Ehevertrag braucht zwingend ein notarielles Siegel, um rechtsgültig zu sein. Geschlossen werden kann er jederzeit, auch Jahre nach der Vermählung.

In Teil 10 der Rechtsirrtümer beschäftigt sich Geld.de mit Ämtern und Gerichten. Denn nur wer weiß, welche Rechte er entgegen dem Volksglauben hat, kann sie auch durchsetzen. Aufgeklärt müssen sich Betroffene nicht weiter im Unrecht glauben, andernfalls hilft eine lukrative Rechtsschutzversicherung.

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