Testament: Den letzten Willen korrekt festhalten

Bild So schreiben Sie Ihr TestamentMit dem Tod will sich niemand so recht befassen. Doch im Sinne der Angehörigen schadet es nicht, sich darüber Gedanken zu machen, wie man sein Erbe verteilt wissen will. Gerade wenn die gesetzliche Erbfolge umgangen werden soll, muss ein Testament her.

Laut der gesetzlichen Erbfolge, die immer dann gilt, wenn kein Testament vorliegt, werden die Erben des Verstorbenen in verschiedene Rangfolgen unterteilt. Dazu gehören in erster Ordnung die Nachkommen wie Kinder und Enkel, in zweiter Ordnung die eigenen Eltern, Geschwister, sowie deren Kinder, und in dritter Ordnung die eigenen Großeltern, Tanten und Onkel, sowie deren Kinder. Sobald in einer Stufe Erben vorhanden sind, gehen die niedrigeren Stufen leer aus. Gibt es etwa ein Kind, erben die Geschwister des Verstorbenen nichts. Entferntere Verwandten werden nur dann bedacht, wenn es keine näheren Verwandten (mehr) gibt. Soll entweder vermieden werden, dass enge Angehörige als Erben in Frage kommen, oder umgedreht der eigene Nachwuchs vom Erblasser nicht bedacht werden soll, ist ein Testament die beste Lösung.

Ehepartner erben nicht alles

Nicht erfasst von der gesetzlichen Erbfolge werden Ehegatten, für sie greift das sogenannte Ehegattenerbrecht. Besteht eine Ehe, erbt der Ehepartner ohne Testament automatisch, allerdings nur anteilig. Dieser Anteil berechnet sich daraus, ob laut Erbfolge noch andere Angehörige berücksichtigt werden müssen. Ehepartner sind demnach nicht automatisch Alleinerben, wenn das Paar keine Kinder hatte. Auch etwa Nichten und Neffen kommen laut Erbrecht als Erben in Frage.

Pflichtteil nur schwer zum umgehen

Ein Testament lässt die gesetzliche Erbfolge außer Kraft treten. Wer jedoch den ungeliebten Sohn, oder den in Trennung befindlichen Ehepartner komplett enterben will, hat schlechte Karten. Denn den Erben erster Ordnung steht grundsätzlich der sogenannte Pflichtteil zu. Dieser beträgt 50 Prozent des gesamten Erbes und kann nur verhindert werden, wenn der Erblasser glaubhaft belegen kann, dass der potenzielle Erbe etwa in der Vergangenheit Verbrechen begangen hat oder gegen den Erblasser gewalttätig geworden ist. In solchen Fällen sollte man sich von einem Notar umfassend beraten lassen.

Erbreihenfolge regeln und Ersatzerben benennen

Ein Testament kann aber mehr, als nur bestimme Personen vom Kreis der Erben auszuschließen. Auch die Erbreihenfolge kann bestimmt werden, indem etwa zuerst der Ehepartner erbt und dann ein Kind des Erblassers. So wird auch der Umgang mit dem Erbe in gewisser Weise beschränkt, denn der Vorerbe kann dieses nicht einfach so verschenken oder Immobilien verkaufen. Außerdem können Ersatzerben benannt werden, die eintreten, falls der zuerst genannte Erbe vor dem Erblasser versterben sollte. Diese müssen nicht unbedingt Privatpersonen sein: Wer im Familien- oder Freundeskreis niemanden bedenken möchte, kann sein Erbe beispielsweise an eine gemeinnützige Organisation richten.

Testament aus der Schublade

Ein Testament in der heimischen Schublade ist nur dann gültig, wenn es mit Verfassungsort und Datum versehen, sowie mit Vor- und Zunamen unterschrieben ist. Der Text sollte eigenhändig und im Vollbesitz geistiger Fähigkeiten geschrieben werden. Ganz sicher gehen Erblasser allerdings, wenn sie das Testament beim Nachlassgericht hinterlegen, wo es als Quittung einen sogenannten Hinterlegungsschein.

Alternativ zum Testament in Eigenregie kann ein solches auch beim Notar erstellt werden. Gerade wenn es in der Erbreihenfolge oder beim Umfang des Erbes selbst umfangreicher wird, müssen Details eindeutig formuliert werden. Mit einem durch einen Fachmann formulierten Testament umgehen Erblasser zudem unnötigen Streit unter den Erben, die diesen unter Umständen vor Gericht austragen. Wohl dem, der als Erbe eine gute Rechtsschutzversicherung vorzuweisen hat. Der Notar kostet zwar Geld, ein Erbschein jedoch auch, der andernfalls von den Erben bezahlt werden muss.

Testament den Lebensumständen anpassen

Ändern sich die persönlichen Umstände, passt auch das Testament vielleicht nicht mehr. Das sollten Erblasser bedenken und ein privat erstelltes Testament entweder gleich vernichten oder zumindest unkenntlich machen. Ist das Testament notariell beglaubigt und hinterlegt, sollte es widerrufen werden. Generell gilt: Bei mehreren Testamenten gilt nur das mit dem jüngsten Datum.

Das könnte Sie noch interessieren:

Tags: , , , ,

Unsere Autoren

3 Antworten zu “Testament: Den letzten Willen korrekt festhalten”

  1. Detektiv19 sagt:

    Danke für euren Beitrag. Ich bin zwar noch nicht ganz bei der Erbplanung angekommen, aber es ist ja immer sinnvoll sich darüber schon einmal zu informieren. Lieber die Erbplanung etwas früher machen, damit es später keine Probleme gibt.

  2. David Müller sagt:

    Zwar bin ich noch relativ jung, doch man kann sich nie früh genug mit dem Erbrecht auseinandersetzen. Ein Bekannter von mir studiert Jura und möchte in der Zukunft als Rechtsanwalt für Erbrecht tätig sein. Daher hatte er mich neulich etwas über das Thema aufgeklärt. Gut, dass man noch weitere Informationen im Internet finden kann.

  3. Jenny Eckhardt sagt:

    Vielen Dank für den ausführlichen Beitrag. Ich studiere Jura im dritten Semester und würde mich später gerne auf das Erbrecht spezifizieren. Mein Onkel ist Rechtsanwalt auf diesem Gebiet und ich versuche so viel aufzunehmen, wie es nur geht. Jedoch ist es gut, dass man auch im Internet hilfreich bedient wird.

Kommentar schreiben

Service Line

  • Wir beraten Sie gerne persönlich
  • 0800 - 589 589 0