Welche Versicherungen braucht der Mensch? Teil 4: Die Rechtsschutzversicherung

Zugegeben, anders als die bisher behandelten Versicherungen wird die Rechtsschutzversicherung nicht unbedingt benötigt. Zumal sie im eigenen Budget doch recht deutlich zu Buche schlagen kann – zum Teil mit über 400 Euro im Jahr. Wer jedoch schonn einmal in den „Genuss“ eines Rechtsstreits gekommen ist, der wird sich wünschen eine solche Rechtsschutzversicherungen abgeschlossen zu haben. Denn so ein Gerichtsverfahren kann, wenn man es verliert, mit all seinen Kosten (Anwalts- und Gerichtsgebühren, Honorare, Entschädigungen etc.) deutlich teurer werden als die Absicherung gegen diese Kosten. Und wer das Risiko nicht eingehen möchte, darauf zu hoffen sich niemals in den Justizdschungel begeben zu müssen, für den könnten die folgenden Tipps interessant sein.

Kein Komplettpaket

Zuallererst ist wichtig zu wissen, dass es nicht DIE Rechtsschutzversicherung gibt, beziehungsweise diese für den Normalsterblichen nicht bezahlbar ist. Das Rundum-Sorglos-Paket ist also nicht drin. Deswegen sollten Sie sich genau überlegen, gegen welche Rechtsstreitigkeiten Sie sich absichern möchten. Wenn man oft mit dem Auto unterwegs ist, würde sich eine Verkehrsrechtsschutz anbieten. Ärger mit dem Chef? Dann greifen sie zur Arbeitsrechtsschutz. Doch auch hier gilt es – wie bei jedem Vertrag – sich die Konditionen genau anzusehen. Denn gern wird zum Beispiel die Arbeitsrechtsschutz in einem Paket angeboten, in dem auch noch die Privat-, Miet-, und Verkehrsrechtsschutz steckt. Dies klingt zwar schon eher nach dem Rundum-Sorglos-Paket, jedoch sollte man sich davon nicht täuschen lassen. Oft beschränken sich die Konditionen nur auf Teilbereiche dieser Versicherungen. Vergleichen lohnt sich also.

Außerdem sollte man nicht den Fehler machen und denken, wenn ich heute Ärger mit dem Arbeitgeber habe und morgen meine Arbeitsrechtsschutzversicherung abschließe, kann ich übermorgen vor Gericht ziehen. Denn eine Rechtsschutz hat eine Wartezeit von mindestens drei Monaten. Also lieber im voraus planen oder die nächsten drei Monate auf Tauchstation gehen. Lange war bei diesem Thema auch nicht klar, wann die Versicherung greift. Ein Gerichtsentscheidung hat dies nun geklärt: wenn die Kündigung angedroht wird, kann man, mit entsprechender Versicherung, ohne Sorge um die Kosten vor Gericht ziehen.

Nicht immer ist eine Rechtschutz sinnvoll

Es gibt jedoch auch Bereiche, wo man von einer Rechtsschutzversicherung vielleicht eher abraten sollte – wenn man sich das Preis-Leistungs-Verhältnis ansieht. So zum Beispiel bei Kapitalanlagen. Dort werden von den meisten Versicherern in einem Rechtsstreit über die Beratung von Kapitalanlagen die Kosten nur im Rahmen einer gewissen Anlagesumme getragen – wenn überhaupt. Ebenso bei Scheidung und dem Streit über Erbschaftsfragen. Hier wird nur die Erstberatung übernommen, der Rest muss selber getragen werden. Üblich ist es bei den Rechtsschutzversicherungen auch, dass der Kontakt mit dem Anwalt ausschließlich über Telefon erfolgt. Dies ist vor allem auf Kostengründe zurückzuführen.

Wem diese Versicherung zu teuer oder wenig sinnvoll erscheint, der hat noch einige günstige Alternativen zur Auswahl. Wenn etwa der Vermieter alles andere als kooperativ ist und für Streitfragen nicht in eine Rechtsschutzversicherung investiert werden soll, der hat noch die Möglichkeit in den ansässigen Mieterverein einzutreten. Für einen vergleichsweise geringen Jahresbeitrag erhält man Rechtsschutz und Unterstützung bei möglichen Gerichtsverhandlungen. Auch Wohnungsbesichtigungen oder Vermessungen werden von ihm durchgeführt oder in Auftrag gegeben – allerdings gegen eine festgelegte Pauschale. Wem Ärger mit dem Chef droht, der hat noch die Möglichkeit in die für seine Branche zuständige Gewerkschaft einzutreten. Diese gewährt, ebenfalls gegen einen Mitgliedsbeitrag, Rechtsberatung und -schutz.

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