Raus aus dem Job: So wird die frühe Rente kein Eigentor

Bild Früher Rente beziehenFür viele Erwerbstätige liegt die Regelaltersgrenze bei 67, für andere noch bei 65. Je nach Geburtsjahrgang können das noch viele Jahre sein, weshalb sich mehr als die Hälfte der gesetzlich Rentenversicherten dazu entschließen, schon früher in Rente zu gehen – doch das kostet.

Wer vorzeitig aus dem Job aussteigen will, muss mit teils hohen Abschlägen rechnen. Bei einem zweieinhalb Jahre früherem Ausstieg wird die Rente gleich um neun Prozent gekürzt. Erwerbstätige, die bis in die Mitte ihrer 60er arbeiten müssen, stehen vor der Frage, ob sie sich ihrem Job wirklich bis ins hohe Alter stellen wollen, oder finanzielle Einbuße in Kauf nehmen. Die Finanz-Experten von Stiftung Warentest haben anhand von vier Modellen berechnet, wie Arbeitnehmer früher aussteigen können, ohne zu viel Geld zu verlieren.

Modell 1: Verluste ausgleichen

Arbeitnehmer, die sich früher in die Rente verabschieden, haben beim Arbeitgeber unter Umständen auch Chancen auf eine Abfindung. Die kann genutzt werden, um eine einmalige Sonderzahlung zu leisten. Die Rechnung geht wie folgt: Der Musterversicherte hat mit 65 Jahren einen Rentenanspruch von 1500 Euro, bei der Rente mit 63 blieben noch 1307. Mit einer Sonderzahlung von rund 25.000 Euro in die Kasse der gesetzlichen Rentenversicherung kann die Rente auf immerhin 1408 Euro erhöht werden. Finanztest gibt an, dass sich diese Investition lohnt, wenn mindestens 20 Jahre Rente bezogen werden. Manko: Das letzte Hemd hat bekanntlich keine Taschen. Dennoch rentiert sich die erst einmal notwendige Sonderzahlung erst nach vielen Jahren. Tritt der Tod früher ein, ist das Geld eh verloren.

Modell 2: Lücke selbst finanzieren

Wer keine Sonderzahlung leisten kann oder will, kann ebenfalls schon früher aufhören zu arbeiten und erst ab 65 Rente in Höhe von 1408 Euro beziehen. Die zwei Jahre die im Musterfall überbrückt werden sollen, kosten aus eigener Tasche jedoch rund 33.800 Euro. Zwar muss die Summe nicht auf einmal aufgebracht werden, diese Variante des vorzeitigen Ruhestands rentiert sich erst noch knapp 28 Jahren.

Modell 3: Rente in Teilzeit

Wenn Erwerbstätige 35 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt haben, gilt der Anspruch auf eine vorzeitige Teilrente. Je nach Wunsch lässt sich die Arbeitszeit bei diesem Modell auf 75, 50 oder gar 25 Prozent verringern. Gleichzeitig gibt es eine monatliche Rente, die an die jeweilige Wochenarbeitszeit angepasst ist. In unserem Beispiel mit der um zwei Jahre verkürzten Lebensarbeitszeit und einer Reduzierung auf 50 Prozent, würde sich das Gehalt auf 2265 Euro verringern, die Rente jedoch schon 653 Euro betragen – zusammengerechnet 2918 Euro. Mit 65 hätte der Arbeitnehmer wiederum einen Rentenanspruch von 1408 Euro. Finanztest kritisieren bei diesem Ausstiegsmodell die starren Grenzen von 25, 50 oder 75 Prozent. Mit der Flexi-Rente, die ab 2017 eingeführt wird, sollen diese aufgeweicht werden. Dann wird eine prozentuale Anrechnung von Gehalt auf die Rente in Teilzeit möglich sein.

Modell 4: Rentner mit Minijob

Wer zum Ende seiner Lebensarbeitszeit vielleicht noch einmal die Branche wechseln will, kann sich auch bis zu 450 Euro monatlich mit einem Nebenjob zur Rente dazuverdienen. Zwei Monate im Jahr dürfen es auch bis zu 900 Euro werden, ohne dass der Lohn auf die Rente angerechnet wird. Im Musterfall gäbe es dann ab 53 Jahren die regulären 1307 Euro Rente und den Zuverdienst obendrauf. Ab 65 gibt es wieder 1408 Euro im Monat aus der Rentenkasse, der Nebenjob kann bleiben, falls gewünscht und ist in seiner Lohnhöhe auch nicht mehr begrenzt. Allerdings wird er dann auch entsprechend höher versteuert.

Tipp: Wer auf all diese Modelle im Alter verzichten möchte, sollte sich frühzeitig um eine passende private Rentenversicherung bemühen, die eine kleine gesetzliche Rente aufpolstern kann.

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