Rente mit 63: War das Konzept von Anfang an eine Farce?

(foto) Einfach verkalkuliert? - Die Rente mit 63Die abschlagsfreie Rente mit 63 erfreut sich bundesweit immer größerer Beliebtheit. Doch langsam wird deutlich, dass dieses Konzept weitreichende Probleme mit sich bringt. So klagen Unternehmen über einen rasant steigenden Fachkräftemangel aufgrund der früheren Rente ab 63 Jahren. Wie sich nun aber zusätzlich herausstellt, basierte die Rentenreform wohl auf völlig falschen Zahlen.

Nahles Rente ab 63 sorgte a priori für Entsetzen, denn immerhin sicherte die Bundesarbeitsministerin brandneue Leistungen wie die Rente mit 63 Jahren sowie die Mütterrente zu – und das gewissermaßen fast umsonst. Doch bereits jetzt steht fest: Umsonst ist heutzutage nichts, noch nicht einmal fast. Ganz im Gegenteil: Die frühzeitige Rente wird schlicht und ergreifend wesentlich mehr kosten, als zuvor kalkuliert wurde.

 

Rente ab 63 verschlingt erheblich mehr als angenommen

Wie hoch die tatsächlichen Mehrkosten sind, die die Rente ab 63 Jahren mit sich bringt, steht noch nicht ganz fest. Nichtsdestotrotz zeigen aktuelle Berechnungen einhellig, dass die anfänglichen Schätzungen der Regierung wohl weit übertroffen werden. Laut Gesetzesentwurf zur früheren Rente, welcher ab dem 1. Juli 2014 umgesetzt wurde, sollten die zusätzlichen Kosten bis 2018 insgesamt etwa 8,9 Milliarden Euro betragen. Das Bundessozialministerium bestätigte allerdings mittlerweile, dass sich die Zusatzkosten wohl eher auf 13,5 Milliarden Euro belaufen.

Frühzeitige Rente belastet Bundeshaushalt

Aus sämtlichen Fraktionen hagelt es heftige Kritik an Nahles Rente mit 63, doch ebenso der Bundesrechnungshof rügt die Leistungsausweitung in der Rentenversicherung. Dies geht aus dessen aktuellem Jahresbericht hervor, wobei anzumerken ist, dass dieser noch auf den alten Zahlen beruht, die Milchmädchenrechnung also gar nicht berücksichtigt wurde. Denn laut Bundesrechnungshof wächst der Bundeszuschuss in die Rentenkasse immer stärker an. So sollen 2015 rund 85 Milliarden Euro in die Rentenversicherung fließen, womit sich die Bundesleistungen seit 1995 mehr als verdoppelt hätten.
Dieser Trend wird auch nicht abreißen, denn es wird angenommen, dass die Kosten bis zum Jahr 2018 um noch weitere zehn Milliarden Euro ansteigen werden. Dabei seien die Rente ab 63 sowie die Mütterrente die Hauptkostenfaktoren. So soll die ebenfalls 2014 eingeführte Mütterrente ab diesem Jahr rund 6,5 Milliarden Euro jährlich verschlingen. Bei der Rente mit 63 beläuft sich die Zahl immerhin auf zwei Milliarden Euro.

Beiträge steigen, Rente wird weniger – ist das gerecht?

Das Arbeitsministerium rühmte sich stets damit, dass das neue Rentenkonzept für mehr Gerechtigkeit sorgt. Ob dies aber wirklich so ist, bleibt fraglich. Denn das Rentenniveau wird 2028 wohl lediglich noch 44 Prozent des durchschnittlichen Einkommens betragen. Zum Vergleich: 2000 lag es bei etwa 53 Prozent.
Zugleich gehen Experten davon aus, dass die Beiträge zur Rentenversicherung bis 2020 auf rund 22 Prozentpunkte ansteigen werden, im Jahr 2014 betrugen diese 18,9 Prozent. Das bedeutet im Klartext: Bund und Rentenversicherte investieren immer mehr in die Rente, während den Rentnern immer weniger Geld zur Verfügung steht – das sind wirklich traurige Zahlen zur Rente.

In Anbetracht solcher Aussichten ist jeder gut damit beraten, selbst bestmöglich fürs Alter vorzusorgen und eine private Rentenversicherung abzuschließen, um sich nicht der (Miss-) Geschicke der Politik fügen zu müssen.

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