Flugtickets werden bis zu 45 Euro teurer

Fliegen ist zwar schöner, aber leider nicht billiger. Denn mit der Einführung der seit gestern im Bundestag beschlossenen Luftverkehrssteuer müssen Passagiere zwischen acht und 45 Euro mehr für ihr Ticket bezahlen. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Worum handelt es sich genau?

Die sogenannte „Luftverkehrsabgabe“ wurde gestern (Donnerstag den 28.10.2010) im Bundestag beschlossen und soll der knappen Staatskasse bis zu einer Milliarde Euro mehr Einnahmen bescheren. Ihre Höhe richtet sich nach der Distanz, die zwischen Frankfurt am Main und dem Hauptflughafen des Landes berechnet wird. Diese Entscheidung folgt den seit Jahren aufkommenden Forderungen nach einer stärkeren Belastung von besserverdienenden Fluggästen – nicht zuletzt von der FDP. Sie gilt für alle Passagierflüge, die von einem deutschen Flughafen aus starten.

Fällig wird die Steuer für alle Flüge ab dem 1. Januar 2011. Jedoch werden schon solche, die ab September diesen Jahres gebucht werden mit der Steuer belastet, so dass die Abgabe nicht mit vorzeitiger Buchung umgangen werden kann.

Wie hoch ist die Steuer?

Die Höhe der zusätzlichen Kosten sind von der Distanz abhängig. So wird zwischen drei Kategorien entschieden: Kurz-, Mittel-, und Langstreckenflüge.

Für Kurzstreckenflüge müssen künftig acht Euro mehr pro Ticket bezahlt. Darunter fallen auch Inlandsflüge. Wer auch bei der Rückreise von einem deutschen Flughafen aus startet, wird dabei doppelt belast, es sei denn er befindet sich auf küstennahen, deutschen Inseln, die keine Bahn- oder Straßenverbindung aufs Festland haben. Ebenfalls acht Euro werden bei Verbindungen ins Europäische Ausland und nach Nordafrika fällig. Die Grenze beträgt 2 500 Kilometer – gemessen vom größten deutschen Flughafen Frankfurt am Main. Marokko und Tunesien würden zum Beispiel in diese Kategorie fallen, ebenso wie die Kanaren und Madeira, da sie trotz der weiten Entfernung noch zu Europa gehören. Auch die Reise nach Russland wird mit acht Euro belastet, egal ob nach Moskau oder an den östlichen Zipfel des Landes.

Bei Mittelstreckenflügen erhöht sich der Ticketpreis um 25 Euro. Die Entfernung liegt dabei zwischen 2 500 und 6 000 Kilometern. Dies würde zum Beispiel auf fast alle afrikanischen Länder in der nördlichen Hemisphäre zutreffen. Wer Richtung Osten unterwegs ist, der bezahlt noch bis Kasachstan und Pakistan 25 Euro mehr.

Alle Ziele die über 6 000 Kilometer vom größten deutschen Flughafen entfernt sind, werden mit 45 Euro pro Ticket belastet. So zum Beispiel die USA, Nord- und Südamerika, China, Japan, Australien und Neuseeland.

Wen betrifft die Abgabe?

Im Grunde genommen wird die Steuer auf alle Passagierflüge angewandt, die von deutschen Flughäfen aus starten. Im Gesetzt heisst es zwar wortwörtlich „Steuerschuldner ist das Luftverkehrsunternehmen“, jedoch ist davon auszugehen, dass die meisten Airlines die Kosten eins-zu-eins an die Endkunden weitergeben werden. Bei Lufthansa und Air Berlin, den beiden größten deutschen Fluglinien, wird dies wohl zumindest teilweise der Fall sein.

Vor allem bei Billigfluglinien wie Ryanair, TUIfly und Germanwings wird sich diese Abgabe bemerkbar machen. Auch wenn bei einigen Sonderangeboten die Steuer von der Airline übernommen wird, ist wohl mit starken Kürzungen im Flugplan zu rechnen, da sich bestimmte Strecken durch den Mehrpreis nicht mehr lohnen werden. Positiv: Easyjet, eine britische Billigairline, will die Steuer gar nicht oder zumindest nur zum Teil weitergeben.

Noch teurer werden Flüge, die über Reiseveranstalter gebucht werden. So sollen Kunden bei TUI, dem größten Reiseveranstalter Deutschlands, zusätzlich zehn Euro für Kurz-, 28 Euro für Mittel- und 50 Euro für Langstreckenflüge bezahlen. Begründet wird dies mit Verwaltungsumstellungen und Reisebüroprovision. Bei Thomas Cook ist es ähnlich. Andere Reiseveranstalter, wie etwa die des Rewe-Konzerns, geben die Steuer ebenfalls weiter.

Was werden die Auswirkungen sein?

Die irische Billigfluglinie Rynair kündigte am Mittwoch an,  das Angebot seiner deutschen Niederlassung in Hahn im Hunsrück im nächsten Jahr deutlich zu verknappen zu wollen. Andere Airlines befürchten bislang wenig Gefahr, da sich zurzeit noch kein Abwärtstrend der Nachfrage abzeichnet. Bei Air Berlin will man zunächst die kommenden Reaktionen der Kunden beobachten, bevor nächste Schritte erwogen werden. Wolfgang Mayrhuber, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa AG, rechnet mit einem deutlichen Absatzeinbruch bei Billigtickets. Jedoch sieht er dabei keine Gefahr für sein Unternehmen.

Das könnte Sie noch interessieren:

Tags: ,

Unsere Autoren

Kommentar schreiben

Service Line

  • Wir beraten Sie gerne persönlich
  • 0800 - 589 589 0